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Dr. Alexandra Hildebrandt

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for Wirtschaft & Management, Bildungswesen, Ingenieurwesen, Internet & Technologie

„Ich habe den Traum, niemals stehen zu bleiben“: Eine Hommage an Karl Lagerfeld

Bernd Lehmann
Karl Lagerfeld neben seinem Lagerfeld-Bild (Acryl auf Leinwand, 90 cm x 98 cm)

Der Modemacher, Zeichner, Verleger, Buchsammler und Fotograf Karl Lagerfeld wollte sich niemals selbst zitieren und das Gleiche machen, um niemals sagen müssen: „Karl, du wiederholst dich nur noch, du bist am Ende.“ Sein künstlerischer Stil war deshalb genauso abwechslungsreich wie sein Geist. Je mehr er machte, desto mehr Ideen hatte er auch. Das verbindet ihn mit dem Künstler Bernd Lehmann, der mit seinen Radierungen, Gouachen und Illustrationen in internationalen Kunsthäusern weltweit vertreten ist. Zu seinen Käufern und Interessenten gehören global agierende Unternehmen und internationale Galeristen, Schauspieler, Musiker und Dirigenten.

In den Jahren 2003 und 2004 entstanden die Mappenwerke „Dir zur Feier“ und „Das kleine Weinjahr“ mit Radierungen zu Rainer Maria Rilke. Im Buch „Schatten eines Grenzgängers“ widmete er sich Adelbert Chamisso und Reinhold Messner. In einem Projekt mit dem Autor Roland Linowski schuf Lehmann die Illustrationen zum Roman „Stille Erde“, eine lebensnahe Beschreibung und in düsterer Direktheit radierte Bebilderung des Zweiten Weltkriegs aus der Sicht der Betroffenen. 2007 begann er seine Zusammenarbeit mit der Schauspielerin Brigitte Röttgers. Die Mappenwerke „Hermann Hesse – Streiflichter“ und „Der Briefwechsel von Virginia Woolf und Lytton Strachey“ sind das Ergebnis davon. Gemeinsame Projekte mit dem Autor, Schauspieler und Ringelnatz-Preisträger Achim Amme inspirierten ihn zu Illustrationen, Gouachen und Porträts von Johnny Cash, Bono, Louis Amstrong, Miles Davis und Joachim Ringelnatz. Im Mappenwerk „JAZZstil“ gelingt es dem Künstler, das Erlebnis Jazz in seiner Spontaneität, Vitalität und Improvisationsgeist zum Ausdruck zu bringen. Unter dem Titel „ECHT VERBOTEN“ brachten Amme und Lehmann zum 75. Todestag des Dichters im Jahr 2009 ein gemeinsames Programm aus Lesung und Ausstellung auf die Bühne. Unter dem Titel „ALL YOU NEED IS LOVE“ bewegten sich die beiden Künstler mit Unterstützung der Revival-Band „The Beattells“ in Text, Bild und Ton auf den Spuren von John Lennon.

Bernd Lehmann wohnt und arbeitet in Neuenkirchen in Norddeutschland. Hier kann er ungestört seiner Berufung nachgehen, die er niemals als Arbeit empfindet. Wohnen und Arbeiten am selben Ort - das hat schon der Jugendstilkünstler Franz von Stuck kultiviert. Wie Lagerfeld ist auch Lehmann nicht nur rastlos kreativ und schöpferisch, sondern dem Schönen verpflichtet, unter anderem schuf er Radierungen zu Rolls Royce und Airbus. Zum Geburtstag von Karl Lagerfeld am 10. September entstand 2019 „Karl Lagerfeld“ in Acryl auf Leinwand (90 cm x 98 cm) als Hommage an den bedeutenden Weltbürger und Designer, dessen künstlerischer Stil genauso abwechslungsreich war wie sein Geist. Lehmann mochte immer die Intelligenz und Vielschichtigkeit seiner Persönlichkeit und die Maskenspiele, die er virtuos beherrschte.

Seine Ideen hielt Lagerfeld – auch das verbindet ihn mit Bernd Lehmann - zuerst in der Zeichnung fest, denn damit konnte er in ganz andere Dimensionen vordringen. Indem er ständig zeichnete, fand er leichter neue Ideen. Die Menschen, mit denen er im Modebereich zusammenarbeitete, konnten sie so lesen, als würde das Modell vor ihnen stehen. Lagerfeld illustrierte aber auch Texte, die er besonders geschätzt hat, beispielsweise 1992 das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen. Der Erzähler sprach ihn und Bernd Lehmann – tJeander zu seinem 200. Geburtstag die Edition „Joop meets Andersen“ schuf – gleichermaßen an. Vielleicht, weil Lügengarn überall und zu jeder Zeit gesponnen wird: in der Modebranche, im Kulturbetrieb, in Wirtschaft und Politik. Ein bisschen Schein gehört immer dazu. Schon als Kind wollte Lagerfeld niemals so sein wie seine Mitschüler. Er trug schon damals exzentrische Kleidung und war am liebsten daheim in seinem barock eingerichteten Zimmer, in dem er gern zeichnete.

Karl Lagerfeld wurde 1938 als Sohn des Hamburger Dosenmilch-Fabrikanten (Glücksklee-Milch-GmbH) Otto Lagerfeld und dessen Frau Elisabeth geboren. 1953 brach er die Schule ab, um im Alter von 14 Jahren mit seiner Mutter nach Paris zu reisen und sich dort niederzulassen. Seine berufliche Karriere begann 1954, als er beim Internationalen Wollsekretariat für einen Mantelentwurf mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde. Im Atelier des französischen Designers Pierre Balmain, bei dem er seine erste Anstellung erhielt, absolvierte er von 1954 bis 1957 auch eine Schneiderlehre. 1963 wechselte Lagerfeld als künstlerischer Direktor zu Chloé, wo er auch zahlreiche Pelzmodelle für Fendi entwarf und Kreationen für das Label Coco Chanel schuf. 1974 gründete der Designer in Deutschland sein erstes selbständiges Unternehmen unter dem Namen "Karl Lagerfeld Impression". Von 1978 bis 1982 arbeitete er als freier Designer für diverse Häuser. 1983 wurde er Chef-Designer von Chanel. Ab 1987 war Lagerfeld auch für weitere Textilhersteller tätig, mit denen er unter dem Label "KL" Kollektionen produzierte. Hinzu kamen Kostümentwürfe für Filme und Opern sowie erste Aufnahmen als Mode- und Werbefotograf. Dennoch sah sich Lagerfeld nicht als Intellektuellen. Er fühlte sich nur als „nur ziemlich kultiviert" und folgte seinem Instinkt.

Am 19. August 2018 feierte Lagerfelds Birma-Katze Choupette („die Süße“) ihren siebten Geburtstag. Lagerfeld bezeichnete ihr Verhalten einmal als "witzig - und dann doch zum Heulen". Mit ihr war er nicht mehr seine eigene Abstraktion. Die Katze war für ihn das wärmende Symbol seiner Freiheit und seiner zurückgeholten Kindheit, denn er wurde zu Hause nie eingeschränkt, hat sich selbst erzogen, konnte sich dem widmen, was er gern tat und wurde niemals unter Druck gesetzt. Aus diesem unermesslichen Erinnerungsschatz speiste sich seine Kreativität und Neugier. Karl Lagerfeld mochte die Gedichtzeile von Friedrich Rückert, die Gustav Mahler vertont hat: „Ich bin der Welt abhandengekommen.“ Der schon im Leben aus der Zeit Gefallene starb am 19. Februar 2019 in Neuilly-sur-Seine im Alter von 85 Jahren.

About the author

Dr. Alexandra Hildebrandt
Dr. Alexandra Hildebrandt

Publizistin und Autorin, Nachhaltigkeitsexpertin, Dr. Alexandra Hildebrandt

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Als Publizistin, Herausgeberin, Bloggerin und Nachhaltigkeitsexpertin widme ich mich den Visionären von heute und den Gestaltern von morgen. Beim Verlag SpringerGabler gab ich 2018 das gleichnamige Managementbuch sowie die CSR-Bände zu Digitalisierung, Energiewirtschaft und Sportmanagement heraus.
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