Dr. Alexandra Hildebrandt

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for Wirtschaft & Management, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Internet & Technologie

Sehnsucht nach Originalen: Warum Produkte mit persönlicher Note immer beliebter werden

Zett Records GmbH
Frank Zander malt

Produkte und Marken sind nur dann erfolgreich, wenn sie nicht austauschbar sind und starke Grenzen haben. Sie sind wie Menschen, die sich nicht gefällig machen und niemandem hinterherlaufen, sondern durch ihre Faszination andere anziehen. Neben klaren Botschaften haben sie auch eine nachhaltige Substanz. Fehlt beides, laufen sie Gefahr, in gesättigten Märkten nicht zu den Kunden durchzudringen. Im Interview erläutert Marcus Zander, Geschäftsführer der Zett Records Produktion und Verlag GmbH, dass Markenführung ein klar strukturierter Planungs- und Entscheidungsprozess ist - und wie er sein Unternehmen durch die Corona-Krise führt.

Interview mit Marcus Zander, Geschäftsführer der Zett Records Produktion und Verlag GmbH

Herr Zander, Sie führen einen unabhängigen Musikverlag und ein Label (Plattenfirma), das 1989 gegründet wurde und mit einem Hit: „Hier kommt Kurt“ gestartet wurde. Was gehört heute alles zu Ihrem Kerngeschäft?

Im Fokus steht die Betreuung von Autoren und Künstlern sowie die Vermarktung von Musik in digitaler und physischer Form. Urheberrechtsgesellschaften wie die GEMA, der traditionelle Tonträgerhandel, aber mittlerweile auch Streaming-Plattformen wie Apple Music oder Spotify machen den größten Umsatz in unserem Geschäft aus. Mit Frank Zander als Künstler und Gründer der Firma haben wir die Möglichkeit, neben der Musik auch exklusive Gemälde und Zeichnungen in unserem Shop anzubieten. Da sie allesamt Originale sind, die es in keinem anderen Shop gibt, ist das Interesse groß.

Nach einem Kauf melden sich Kunden oft und bedanken sich für den persönlichen Service, denn wir packen gern auch mal zusätzlich ein bis zwei Überraschungen mit in die Lieferung. Das kann man als „kleiner“ Händler machen, und das bringt aus meiner Sicht mehr, als täglich Newsletter zu verschicken. Besonders beliebt sind die kleinen Zander-Gemälde, denn für viele ist es schon eine Überwindung, mehrere hundert Euro ohne haptischen Eindruck in einem Onlineshop per Mausklick auszugeben.

Der eigentliche Vertrieb der Frank-Zander-Gemälde wird allerdings von den Walentowski Galerien (Udo Lindenberg, Otto, Helge Schneider) übernommen, so dass die Zander-Originale in über 50 Galerien in Deutschland ausgestellt sind.

Inwiefern spüren Sie in Ihrem Unternehmen die Auswirkungen der Corona-Pandemie?

Bei uns direkt wirkt sich die Pandemie durch das Wegfallen der Konzerte unserer Künstler aus. Auch der geschlossene Tonträgerhandel ist ein Problem und wird nur zum Teil durch Online-Bestellungen oder den Onlinehandel und durch Streaming und Download ausgeglichen. Da die GEMA zeitversetzt die Einnahmen aus dem Live-Geschäft ausschüttet, steht unser großer Einbruch erst in diesem Jahr bevor.

Die akute Phase der Krise hat bewiesen, dass jene Unternehmen, die in der Digitalisierung weiter sind, besser durchkamen. Haben Sie das auch gespürt? Und welche Rolle spielte Ihr Onlineshop?

Unser Onlineshop spielt nur für exklusive Produkte eine Rolle, also für personalisierte CDs, DVDs oder auch für Gemälde und Merchandising, welche in keinem anderen Shop erhältlich sind. Waren anzubieten, die es über die großen Portale auch gibt, macht keinen Sinn, denn es ist ein Kampf „David gegen Goliath“. Also versuchen wir unsere Produkte mit persönlicher Note zu versehen (original signiert, oder auch mit Zertifikat, etc.).

Inwiefern hat Corona die Arbeitsweise in Ihrem Unternehmen verändert? Was waren die zentralen Hürden?

Treffen und Gespräche mit unseren Künstlern und Autoren finden derzeit ausschließlich online statt. Jeden Tag zwei bis drei Zoom-Meetings – das nervt, aber es muss ja weiter gehen, und wir freuen uns schon alle sehr auf die echten persönlichen Gespräche und Konzerte mit unseren Künstlern. Als größte Hürde empfinde ich den psychischen Aspekt: Viele Künstlerinnen und Künstler sind demotiviert und haben kein richtiges Ziel vor Augen. Wir müssen als Partner der Künstler auch viel Motivationsarbeit leisten und nicht zuletzt auch finanzielle Unterstützung geben, denn ihre Kreativität ist unsere „Ware“…

Was bildet die Basis für eine gute Entwicklung Ihres Geschäfts?

Motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie kreative Künstler und das Vertrauen der Urheber in unsere Vermarktung und Beratung.

Vielen Dank für das Gespräch.

About the author

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Freie Publizistin und Autorin, Nachhaltigkeitsexpertin, Dr. Alexandra Hildebrandt

for Wirtschaft & Management, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Internet & Technologie

Als Publizistin, Herausgeberin, Bloggerin und Nachhaltigkeitsexpertin widme ich mich den Kernthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Beim Verlag SpringerGabler habe ich die CSR-Bände zu Digitalisierung, Energiewirtschaft und Sportmanagement herausgegeben sowie "Klimawandel in der Wirtschaft".
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