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Zukunftssicherung im deutschen Mittelstand: Nachhaltige Erfolgsfaktoren

Der deutsche Mittelstand steht vor enormen Herausforderungen, die alle Unternehmen gleichermaßen betreffen: Regulatorische Anforderungen setzen sie und ihre bestehenden Geschäftsmodelle unter Druck, die Bürokratie nimmt immer mehr zu - so dauert es hierzulande oft viel zu lange, Genehmigungen für unternehmerische Vorhaben zu erhalten. Demografischer Wandel, geopolitische Instabilität (insbesondere der Krieg in Europa), multiple Krisen, Schwächen in den Lieferketten, Anpassung an sich dynamisch veränderte Rahmenbedingungen (VUCA), die Auswirkungen des geringeren Wirtschafswachstums und der Inflation sind nur einige Themen, mit denen sie konfrontiert sind. Kleine und mittelständische Unternehmen (KMUs) sind in diesen Zeiten allerdings häufig nicht nur resilienter, sondern können auch schneller und flexibler agieren als Großunternehmen.

Das zeigt das Beispiel der Mader GmbH & Co. KG: Das Unternehmen mit Standorten in Leinfelden-Echterdingen, Eichenau und Heidenheim bietet Dienstleistungen und Produkte für den kompletten Druckluftprozess an: von der Erzeugung der Druckluft über die Verteilung bis hin zur Anwendung. Das Unternehmen entwickelte sich zu einem Anbieter von Komplettlösungen. Über Zukäufe konnte der Mittelständler proaktiv neue Wege der Unternehmensgestaltung einschlagen und mit eingespielten Teams weiteres Know-how in die eigene Organisation transferieren. Zudem wurde der Unternehmensfortbestand rechtzeitig gesichert: Seit August 2024 erweitern neue Mitglieder die Geschäftsführung: Helen und Johannes Landhäußer stießen zu Marco Jähnig und Stefanie Kästle. Helen Landhäußer verantwortet die Bereiche Personal und Marketing, Johannes Landhäußer die Bereiche Innovation und Wachstum. Peter Maier, geschäftsführender Gesellschafter, beendete altersbedingt seine geschäftsführende, operative Tätigkeit. Mit der Berufung der beiden neuen Geschäftsführer vollziehen die beiden Gesellschafter des süddeutschen Druckluft- und Pneumatikspezialisten einen weiteren Schritt in der Nachfolge und bekennen sich klar zum Unternehmen und dessen Zukunftsfähigkeit. „Die Ideen, die die ‚Next Gen Mader‘ haben, begeistern uns. Und das nicht nur als Väter, sondern auch als Unternehmer“, sagten Werner Landhäußer und Peter Maier kürzlich. Beide haben Mader im Jahr 2004 im Rahmen eines Management-Buy-Outs aus einem Schweizer Konzern gekauft. Von den Erfolgsfaktoren des Unternehmens können auch andere lernen. Zugleich tragen sie dazu bei, das Unternehmen als Arbeitgeber attraktiv zu machen - besonders in einer Region wie Stuttgart, wo sie sich gegen große Namen behaupten müssen.

  • Bewahrung des familiären Charakters (Arbeitskultur basiert auf Vertrauen, Beständigkeit und persönlicher Nähe)

  • Konsequente Digitalisierung und Automatisierung der direkten und indirekten Prozesse

  • Weiterdenken des magischen Dreiecks (Service, Kosten, Qualität)

  • Kluge strategische Entscheidungen

  • Flexibilität und Agilität, um sich den aktuellen Marktanforderungen anzupassen und wettbewerbsfähig zu bleiben

  • Neue Geschäftsmodelle (z.B. mit Zusatzdienstleistungen)

  • Langfristige Investitionen

  • Technologische Innovationen, die die Effizienz der eigenen Produkte weiter steigern und den Ressourcenverbrauch minimieren

  • Strategische Kombination aus technologischer Innovation, organisatorischem Wandel und einer starken, lernbereiten Belegschaft

  • Kultur des „Anpackens“

  • Positionierung als Lösungsanbieter für einen sehr speziellen Nischenmarkt, der allerdings eine riesige Bandbreite an Anwendungsfeldern bietet

  • Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil der Unternehmensstrategie

  • Regionalisierung (Vorteile: kürzere Lieferwege, Verbessererung der Reaktionsfähigkeit auf lokale Marktbedürfnisse, Reduzierung der Transportkosten, Senkung des CO2-Ausstoßes, stärkere Präsenz vor Ort, flexiblere Anpassung an sich ändernde Anforderungen)

  • Nutzung von strategischem Ressourcenmanagement

  • Schaffung von Strukturen, die sicherstellen, dass das Unternehmen widerstandsfähig gegenüber Marktschwankungen ist und gleichzeitig flexibel auf zukünftige Herausforderungen reagieren kann

  • Förderung einer lebendigen Start-up-Kultur

  • Klare Vision

  • Regionale Wertschöpfung nah am Kunden in Kombination mit einfachen und kurzen Wertschöpfungsketten.

Dr. Alexandra Hildebrandt schreibt über Wirtschaft & Management, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Internet & Technologie

Als Publizistin, Herausgeberin, Bloggerin und Nachhaltigkeitsexpertin widme ich mich den Kernthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Beim Verlag SpringerGabler habe ich die CSR-Bände zu Digitalisierung, Energiewirtschaft und Sportmanagement herausgegeben sowie "Klimawandel in der Wirtschaft".

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