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Macht eine Altersgrenze für Topmanager noch Sinn?

Der FC Bayern München stellt Jupp Heynckes wieder als Trainer ein und zeigt damit: Um ältere, qualifizierte Arbeitnehmer wird geworben. Doch ist in vielen Unternehmen mit 60 Jahren Schluss.

10 Tipps, wenn Sie aus Altersgründen aus dem Job ausscheiden

Barbara Simonsen
  • Die meisten Menschen werden beim Berufsausstieg allein gelassen
  • Geben Sie sich mindestens 100 Tage, um sich daran zu gewöhnen
  • Vor allem Topmanager und Führungskräfte hadern oft mit der Rente

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Immer mehr Menschen gelangen an den Punkt, an dem die bisherige Berufslaufbahn aus Altersgründen endet. Und in den nächsten Jahren wird sich diese Zahl noch vergrößern! Der Volksmund nennt diesen Übergang lapidar „das Ausscheiden aus dem Arbeitsleben in den Ruhestand“.

Doch das Ende des Berufslebens und der Eintritt in eine neue Lebensphase im fortgeschrittenen, aber noch jungen Alter sind viel mehr – nämlich eine Zäsur in der Berufs- und Lebenskarriere.

Ein markanter Einschnitt auf dem persönlichen Berufs- und Lebensweg

Vielleicht sind diese Veränderungen zu vergleichen mit denjenigen beim Einstieg in eine berufliche Tätigkeit, nur dass der Berufseinstieg mit dem Gefühl verbunden ist, es gehe voran und mit einem Karriereaufstieg auch aufwärts: Man ist jung, voller Lebensenergie und kann aktiv den Berufs- und Lebensweg beeinflussen. Vielleicht stehen deshalb für den Berufseinstieg eine Heerschar von Institutionen bereit, um die Hürden in den Berufsstand leichter zu nehmen, genauso wie sich während des Karrierewegs viele Ratgeber mit Tausenden von Tipps für das Weiterkommen der Berufstätigen einsetzen.

Aber beim Berufsausstieg aus Altersgründen? Wer hilft beim Ausstieg aus dem aktiven Berufsleben? Wer hilft beim Übergang in die nächste Lebensspanne?

Das Personalmanagement der Firma ist nicht mehr verantwortlich, die Geschäftsleitung hält höchstens eine Dankesrede, von den Kollegen gibt es ein witziges Geschenk und eine Karte mit allen Unterschriften. Dann ist jeder auf sich allein gestellt.

Wenn der Wecker morgens nicht mehr klingelt …

So unterschiedlich, wie die Menschen mit ihren Lebensentwürfen und Berufsbiografien sind, so unterschiedlich sind auch ihre Einstellungen und Gefühle für das, was auf sie zukommt:

  • Viele Menschen freuen sich auf den nächsten Lebensabschnitt und steigen gern aus, weil sie sich auf das Neue und die damit verbundenen Verheißungen fokussieren. Sie haben viele Ideen, was sie erleben möchten – zum Beispiel: sich mehr um die Familie und Freunde kümmern, mehr in die Gesundheit und Fitness investieren, reisen oder sich weiterbilden, Hobbys pflegen; Talente und Erfahrungen weiterhin aktiv einbringen – jetzt aber in einem befristeten Ehrenamt zum Beispiel im sozialen Bereich; noch ein selbstständiges Business aufbauen – basierend auf beruflichen Erfahrungen.
  • Einige möchten den Zeitpunkt des Ausstiegs unbedingt vorverlegen, weil der berufliche oder private Stress zu groß geworden ist. Sie freuen sich auf ein Leben jenseits des Hamsterrads.
  • Einige blicken mit Sorge in die Zukunft, weil vielleicht die Finanzierung dieser neuen Lebensspanne nicht gesichert ist. Oder weil sie zum Aufgeben ihrer beruflichen Tätigkeit gezwungen worden sind – zum Beispiel aufgrund einer Krankheit oder betrieblichen Veränderungen.
  • Andere hingegen wollen das Karriereende nach hinten verschieben, weil sie Erfüllung in ihren Tätigkeiten empfinden und gesundheitlich fit sind.

Wie auch immer das Ende des Berufslebens zustande kommt, für alle beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der sich in den ersten Monaten nicht selten als Krise entpuppt – trotz ideenreicher Vorstellungen für den neuen Lebensabschnitt.

Wo liegen die Schwierigkeiten beim Übergang vom Berufsleben in einen neuen Lebensabschnitt?

Über die Jahrzehnte ziehen Berufstätige ihr Selbstbewusstsein aus ihrer Leistungsfähigkeit und ihren Leistungen: Sie erhalten Anerkennung und Status, weil sie in irgendeiner Form produktiv sind. Sie erleben, wie sie auf ihrem Gebiet wirksam werden, und erfahren Befriedigung, wenn die Dinge gut glücken.

Aber wie ist es, wenn die bisherige Arbeit und die Aufgaben wegfallen, wenn das Leben nicht mehr aus dem Ausüben eines Berufs, aus der Karriereentwicklung besteht?

Es ist vor allem die Umbruchphase, die sich als schwierig herausstellt: Das Alte ist nicht mehr vorhanden; die passenden Ersatzaufgaben fehlen noch. Wie soll man wissen, was auf einen zukommt, wenn die Aufgaben nicht mehr gegeben und der Tagesablauf nicht mehr automatisiert ist wie in den letzten Jahren?

Für Führungskräfte und Manager stellt diese Situation eine besondere Herausforderung dar. Der Verlust von Macht und Kontrolle dämpft den Selbstwert und wirft die Frage auf: Wer bin ich noch? Woraus schöpfe ich Kraft und Anerkennung?

Hinzu kommt, dass mit der Beendigung der beruflichen Laufbahn und dem Karriereende im fortgeschrittenen Alter die (ersten) Begrenzungen des Lebens spür- und sichtbar werden: Nicht mehr alles ist umsetzbar, nicht mehr alles erreichbar, auch wenn die Anti-Aging-Industrie etwas anderes suggerieren will. Das allmähliche Altern lässt sich nicht aufhalten.

10 Tipps für die Übergangszeit nach dem Berufsende

Der Übergang zum „neuen Reiseweg“ erweist sich zu Beginn als holprig! Erlauben Sie sich deshalb in den ersten Wochen nach dem Berufsende, dass Langeweile und Unzufriedenheit auftreten. Mit einigen Vorkehrungen können Sie sich diesen Übergang und Start allerdings etwas erleichtern:

  1. Vereinbaren Sie mit Ihrem Unternehmen einen fließenden Übergang vom Berufsausstieg zum „Ruhestand“ – beziehungsweise legen Sie den für Sie richtigen Zeitpunkt des Endes selbst fest – falls es für Sie passt und möglich ist.
  2. Verabschieden Sie sich ganz bewusst von Ihren Aufgaben und Kollegen. Treten Sie großzügig zur Seite und übergeben Sie den Stab an die jüngere Generation.
  3. Setzen Sie ein Zeichen für den Beginn der neuen Lebensspanne: Starten Sie den neuen Lebensabschnitt mit etwas Besonderem – zum Beispiel mit einer Reise mit Ihrer Familie oder mit Freunden.
  4. Beschäftigen Sie sich schon vor dem Berufsausstieg mit der Zeit danach. Nehmen Sie sich ausreichend Zeit – zuerst zum Bilanzieren und dann, um neue Orientierung zu gewinnen: Welcher rote Faden hat sich durch meinen bisherigen Lebens- und Berufsweg gezogen? Wo gibt es Brüche? Was ist jetzt aktuell? Gibt es ein loses Ende, das ich aufnehmen und woran ich anknüpfen möchte? Welche Wünsche und Träume habe ich? In welcher Form kann ich diese verwirklichen – abhängig von Gesundheit, Alter, Familiensituation, Finanzen und dem, was ich bisher gemacht habe?
  5. Treffen Sie nach dieser Rück- und Vorschau eine bewusste Entscheidung, welche Werte zukünftig mehr im Vordergrund stehen sollen. Stellen Sie konkrete Zeitspannen unter ein bestimmtes Motto oder geben Sie diesen eine motivierende Überschrift.
  6. Entwickeln Sie kleine Routinen für konkrete Tages- und Wochenabläufe – wie zum Beispiel Bewegung in der Natur. Entwickeln Sie einen neuen Rhythmus, gönnen Sie sich aber auch Zeiten, wo Sie alle Routine sausen lassen.
  7. Gehen Sie Tag für Tag in kleinen Schritten voran, und achten Sie immer wieder darauf, ob das, was Sie tun, stimmig ist, und korrigieren Sie – falls möglich und gewünscht.
  8. Entwickeln Sie Heiterkeit und Gelassenheit – gerade dann, wenn etwas nicht so verläuft, wie Sie es sich vorgestellt haben.
  9. Schreiben Sie auf, was Sie bewegt. Führen Sie zum Beispiel ein Tagebuch.
  10. Stellen Sie Beziehungen und Freundschaften in den Mittelpunkt. Pflegen Sie den Austausch und gemeinsame Aktivitäten.

Fazit: Das Lebensthema steht im Fokus – nicht mehr das Berufsthema

Die Veränderungen beim Ausstieg aus Beruf und Karriere aus Altersgründen lösen mitunter persönliche Krisen aus, denn das Leben von früher geht nicht wie bisher weiter. Mit der äußeren Freiheit muss sich auch die innere Freiheit entwickeln.

Sich frühzeitig mit dem Übergang und mit dem neuen Lebensabschnitt zu befassen ist hilfreich. Doch vielleicht ist es ähnlich wie mit den ersten 100 Tage in einer neuen Position: Erst in der Situation selbst werden die nötigen Erfahrungen gesammelt, sodass sich erst im Laufe der Zeit eine neue Zufriedenheit einstellt. Diese wird der Gradmesser dafür sein, ob es gelungen ist, sich vom früheren Berufsthema auf das persönliche Lebensthema zu konzentrieren: den Sinn seines Lebens wieder – oder neu – zu entdecken und das Tun sowie das persönliche Engagement danach auszurichten.

Es ist ein Geschenk des Lebens, dieses nach dem Berufsende weiter ausschöpfen zu können. In der heutigen Zeit stehen im jungen und gesunden Alter viele Möglichkeiten offen, Herzensangelegenheiten zu verwirklichen.

Und es ist die Kunst des Älterwerdens, in allem Tun gelassen und heiter zu bleiben. Wie sagte doch neulich ein guter Freund: Ab jetzt steht das Ziel nicht mehr im Weg!


Barbara Simonsen ist eine von mehr als 80 XING Branchen-Insidern, die ab sofort regelmäßig ihre persönlichen Einsichten mit den mehr als 10 Millionen XING Mitgliedern teilen. Sie können ihr und weiteren XING Branchen-Insidern hier folgen, um keinen der Beiträge mehr zu verpassen.

Veröffentlicht:

Barbara Simonsen
© Simonsen Management
Barbara Simonsen

Karriereexpertin, Simonsen Management

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Barbara Simonsen ist Karriereexpertin und unterstützt mit ihrem Unternehmen Simonsen Management leitende Persönlichkeiten und Unternehmen in Führungssituationen. Sie hat einen Master of Business Administration und war langjährig als Geschäftsleiterin und Führungskraft in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft sowie im Bildungswesen tätig. Zudem ist sie Autorin des Buchs „Die ersten 100 Tage als Führungskraft“ und Aufsichtsrätin von CBM International (Christian Blind Mission International).

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