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Elternzeit: Kind da, Job weg?

Kehren Mütter oder Väter aus der Elternzeit zurück, landen vor allem Frauen oft in der „Teilzeitfalle“. Ein gesetzliches Rückkehrrecht soll dieses Schicksal beenden. Doch noch ist es nicht umgesetzt.

Mütter werden nach der Elternzeit oft aus dem Job gemobbt

Sandra Runge
  • Alle Mütter müssen eine Chance auf einen fairen Wiedereinstieg haben
  • Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für Eltern sollten verbessert werden
  • Neue Diskriminierungsmerkmale könnten Benachteiligungen sanktionieren

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Als ich nach einem Jahr Elternzeit motiviert im Büro erschien, fand ich leider keinen Willkommensblumenstrauß, sondern einen leergefegten Schreibtisch vor. Fast zwei Stunden saß ich dort und drehte Däumchen. Meine Vorgesetzten ignorierten mich und liefen wortlos an der offenen Tür vorbei – keiner sagte mir, was los war. Irgendwann wurde ich in den Konferenzraum gerufen. „Es tut uns außerordentlich leid, wir können Sie jedoch nicht mehr weiterbeschäftigen“, hieß es. Dann wurde mir die Kündigung überreicht.

„Eine Kündigung am ersten Tag nach der Elternzeit? Das ist doch gar nicht zulässig!“ Diese Reaktion erfahre ich jedes Mal, wenn ich von meinem Wiedereinstieg erzähle. Rechtsempfinden und Rechtlage driften jedoch weit auseinander: Der Sonderkündigungsschutz gemäß § 18 Abs. 1 S. 3 BEEG, der eine Kündigung während der Elternzeit verbietet, endet am letzten Elternzeittag. Am darauffolgenden Tag ist eine Kündigung zulässig, ab einer Betriebsgröße von zehn Arbeitnehmern, wenn personen-, verhaltens- oder betriebsbedingte Gründe vorliegen.

Ich klagte und erhielt eine Abfindung. Im Nachhinein erfuhr ich, dass der Kündigungstatbestand durch eine vorgeschobene Auslagerung der Rechtsabteilung konstruiert war: Einige Wochen nach Beendigung des Rechtsstreits saß meine Elternzeitvertretung an meinem zwischenzeitlich wieder eingerichteten Schreibtisch und übte meinen alten Job als freie Mitarbeiterin aus.

Benachteiligungen sind keine Einzelfälle, sondern haben System

Alle Mütter verdienen eine Chance auf einen fairen Wiedereinstieg. Doch die Praxis sieht anders aus, wie mir immer wieder Mandantinnen und Leserinnen meines Blogs (smart-mama.de) beziehungsweise Buches („Don’t worry, be Mami“) berichten: Kündigungen, Aufhebungsverträge und Zahlungen von Abfindungen für den Verlust des Arbeitsplatzes nach der Elternzeit sind gang und gäbe. Nicht selten werden Mütter bereits während der Elternzeit aufgefordert, sich schon einmal nach einem neuen Job umzusehen. Der Verlust des Arbeitsplatzes nach der Elternzeit ist kein Einzelfall, sondern ein allgemeines Problem, das gelöst werden muss.

Doch damit nicht genug. Bedauerlicherweise wird vielen Müttern auch nach der Wiedereinstiegsphase das Arbeitsleben schwer gemacht: Der Job nach der Elternzeit ist ein anderer und entspricht weder der Erfahrung noch der Qualifikation, die Arbeitszeiten passen nicht zu den Kitabetreuungszeiten, Beförderungen werden abgelehnt, weil die Tätigkeit angeblich nicht in Teilzeit auszuüben sei, der plötzliche Ausschluss von wichtigen Kommunikationswegen, verweigerte Fortbildungsangebote, fehlende Unterstützung, wenn das Kind erkrankt ist … die Liste ließe sich noch lange fortführen. Verständlich, dass viele Frauen freiwillig das Handtuch werfen oder sich selbstständig machen.

Neue Gesetze statt Familienfreundlichkeitsblabla

Angesichts des Fachkräftemangels können wir es uns langfristig nicht leisten, dass Mütter nach der Elternzeit zurück an den Sandkastenrand befördert werden. Neue gesetzliche Rahmenbedingungen könnten als Motor dazu beitragen, dass Arbeitgeber über ihre Lippenbekenntnisse hinaus mehr Verantwortung in der Wiedereinstiegsphase übernehmen:

  1. Zeitliche Ausweitung des Sonderkündigungsschutzes auf acht Wochen nach dem Ende der Elternzeit – Kündigungen im direkten Anschluss an die Elternzeit wären dann verboten.

  2. Der Anspruch auf Teilzeit während und nach der Elternzeit darf nicht mehr von der Größe des Unternehmens abhängen – auch Mütter, die in kleineren Unternehmen mit weniger als 15 Mitarbeitern arbeiten, hätten dann das Recht auf Teilzeitarbeit.

  3. Wer in Teilzeit arbeitet, muss auch wieder ein Recht auf eine Vollzeittätigkeit haben – damit wäre es für Mütter leichter, der Teilzeitfalle zu entfliehen.

  4. Zwingende Durchführung von bindenden Wiedereinstiegsgesprächen während der Elternzeit – Arbeitgeber wären dadurch verpflichtet, den Wiedereinstieg gemeinsam mit den Müttern zu planen und sich an ihre Zusagen zu halten.

  5. Flexible Arbeitszeiten, Recht auf Homeoffice – Eltern würden durch die flexiblere Gestaltung von Arbeitszeit- und Arbeitsort erheblich entlastet.

  6. Einführung des Diskriminierungsmerkmals „Eltern“: Benachteiligungen, die rechtlich nicht unter eine Geschlechterdiskriminierung fallen oder noch nicht die Mobbingschwelle erreicht haben, wären dadurch sanktioniert – zum Beispiel das Abhalten von Meetings außerhalb der üblichen Kitabetreuungszeiten.

Fazit: Wir brauchen kein Familienfreundlichkeitsblabla und Hochglanz-Elternbroschüren mit leeren Versprechungen, sondern neue Gesetze, die für mehr Vereinbarkeit sorgen und dazu führen, dass Arbeitgeber das Thema Wiedereinstieg zur gemeinsamen Sache erklären.

Veröffentlicht:

Sandra Runge
© Katja Harbi
Sandra Runge

Rechtsanwältin und Bloggerin, Kanzlei Runge

Sandra Runge ist Rechtsanwältin, Fachanwältin für Arbeitsrecht und bloggt auf über Elternrechte. Dabei hat sie sich besonders auf die Themen Elternzeit, Elterngeld und Wiedereinstieg in den Job spezialisiert. Neben ihrem Anwaltsberuf engagiert sie sich für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und hat in Berlin Coworking Toddler, Deutschlands erste Kita mit Coworking Space gegründet. Ende Februar erschien ihr erstes Buch „Don’t worry be Mami!“.

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