Hochbegabte als Chance: Wie können sie ihr Potenzial einbringen?

Viele Hochbegabte leiden unter Vorurteilen und verheimlichen ihre Begabung - vor allem in Deutschland. Betroffene erzählen, wie Unternehmen maßgeblich von Hochbegabten profitieren können.

Wie Firmen von hochbegabten Mitarbeitern profitieren können

Björn Stoffers
  • Wir brauchen einen offenen Umgang mit Hochbegabung in der Gesellschaft
  • Hochbegabte suchen Abwechslung und kreative Freiheit im Berufsleben
  • Gerade Hochbegabte können zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen verhelfen

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Hochbegabten wird in der Gesellschaft zwar hohes Potenzial und Leistungsfähigkeit nachgesagt, gleichzeitig sehen sie sich jedoch häufig mit dem Vorurteil konfrontiert, schwierig im sozialen Umgang zu sein. Wir möchten uns von diesen Stereotypen lösen. Denn typisch für Hochbegabte ist, dass es keine typischen Hochbegabten gibt. Bei Mensa – dem größten Hochbegabtenverein mit knapp 14.000 Mitgliedern in Deutschland – treffen wir auf unterschiedlichste Frauen und Männer, von Underachievern bis zu High Potentials, aus allen Berufsgruppen und Lebenssituationen. Es fällt ihnen unterschiedlich leicht, mit ihrer Begabung im Arbeitsleben umzugehen und darüber zu sprechen.

Viele Hochbegabte haben zudem gelernt, dass sie auffallen, wenn sie zu viel hinterfragen, zu viele kreative Ideen ausleben wollen und zu schnell weiterdenken. Sie halten sich zurück, drosseln ihr Tempo und passen sich an, um ihre Kollegen nicht vor den Kopf zu stoßen. Eine Hochbegabung dauerhaft zu verheimlichen und sich zu verstellen sollte aber keine Lösung sein. Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass Hochbegabung keine freie Entscheidung ist und nicht gewertet werden sollte.

Hochbegabte sind ein Vorteil für die Gesellschaft

Eine hohe Intelligenz garantiert weder gute Noten noch starke Leistung, dafür bedarf es ebenso Motivation und Fleiß. Sie stellt aber einen wichtigen Baustein dar, um in einem passenden Umfeld Spitzenleistungen zu erzielen. Dieses Umfeld zu schaffen ist nicht nur für den Einzelnen wünschenswert, sondern vor allem für Arbeitgeber und die gesamte Gesellschaft von großem Vorteil. Durch gezieltes Fördern und Fordern, aber auch den gegenseitigen Austausch und Entgegenkommen können Hochbegabte zu Hochleistern in Unternehmen, Wissenschaft, kreativen und sozialen Berufen werden.

Wir sind alle vertraut mit Steve Jobs’ Weisheit „It doesn’t make sense to hire smart people and tell them what to do; we hire smart people so they can tell us what to do“. Unternehmen und Führungskräfte sollten sich also nicht von hochbegabten Mitarbeitern gestört oder gar in der eigenen Position bedroht fühlen, sondern die Chancen und Potenziale erkennen und nutzen, sich auf ihre schnell denkenden Hochleister einstellen und eine anspruchsvolle, abwechslungsreiche Arbeitsatmosphäre erzeugen.

Teamarbeit kann maßgeblich von der Ideenvielfalt Hochbegabter profitieren

Ein Trend, den wir bei Hochbegabten häufiger beobachten, sind unstete Lebensläufe mit mehrfachen Jobwechseln. Viele suchen die berufliche Selbstständigkeit, um eigenverantwortlicher und selbstbestimmter arbeiten zu können. Die Ursache liegt meist in der Unzufriedenheit darüber, den eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können und unter dem eigenen Potenzial zu bleiben.

Viele Hochbegabte möchten noch über das übliche Maß hinaus Ideen umsetzen, sich entwickeln, vorankommen und dazulernen. Dabei entsteht eine Aversion gegen repetitive Tätigkeiten, gegen starre Hierarchien und eingefahrene Regeln. Doch diese Aversion besteht nicht gegen die Arbeit im Team, ganz im Gegenteil. Hochbegabte haben lediglich Schwierigkeiten damit, ihr Tempo aus Rücksicht auf ihr Umfeld anzupassen. Schnelles Denken im logischen Bereich geht allerdings ebenso häufig einher mit einer emotionalen Feinfühligkeit, die beim Erkennen von Gruppendynamiken und Teamstrukturen hilft.

Teams, die sich gegenseitig herausfordern und anspornen, in denen Mitdenken gefördert wird und keine künstlichen Tabus auferlegt werden, weisen somit ideale Arbeitsbedingungen für Hochbegabte auf. Letztlich profitieren alle Seiten: Die Mitarbeiter sind zufriedener und vermeiden Reibungen im Team, und die Unternehmen können auf eine enorme Ideenvielfalt, Veränderungsbereitschaft und Kreativität hochbegabter Mitarbeiter zurückgreifen. Und nicht zuletzt profitiert die Gesellschaft, zu deren Weiterentwicklung Hochbegabte einen wertvollen Beitrag liefern können.

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Björn Stoffers
© Björn Stoffers
Björn Stoffers

Unternehmensberater und Gründer, Heurekia

Björn Stoffers (Jg. 1984) ist selbstständiger Unternehmensberater und Gründer des Thinktanks Heurekia, in dem Hochbegabte nach Lösungen für interdisziplinäre Probleme suchen. Seit drei Jahren engagiert er sich in der Öffentlichkeitsarbeit bei Mensa in Deutschland e.V. und betreut das berufliche Netzwerk im Verein, um die Wahrnehmung von Hochbegabung in Unternehmen und der Gesellschaft zu stärken.

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