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Weil Orientierung das Engagement steigert: Kommunikation als Führungs- und Strategiearbeit

Führung bedeutet nicht nur entscheiden. Führung bedeutet auch, Sinn zu geben. Gute Kommunikation und Moderation sind hierbei essenziell.

Für Geschäfts- und Bereichsleitungen sind gute Kommunikation und Moderation mehr als eine Formalität oder Stilfrage. McKinsey betont in einem Artikel zur Teamforschung, dass Kommunikation nicht bloss Begleitmusik ist, sondern einer der Mechanismen, über den Vertrauen, Koordination und Entscheidungsqualität überhaupt entstehen. Durch die Art, wie Kritik geäussert wird. Durch die Frage, ob Probleme ehrlich besprechbar sind. Durch die Qualität von Feedback. Durch das Verhalten von Führungskräften in angespannten Momenten. Durch Tonalität. Durch Zuhören.

Ich verstehe Kommunikation deshalb nicht als reine Informationsvermittlung, sondern als das gemeinsame Entwickeln von Klarheit, Richtung und Wirkung. Wie in meinem Strategie-Handbuch kompakt beschrieben, wird Strategie erst dann wirksam, wenn sie aus abstrakten Gedanken in eine Sprache übersetzt wird, die für Mitarbeitende verständlich und alltagstauglich ist.

Je näher die Sprache der Strategie an der echten Sprache der Menschen ist, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sie verstanden, mitgetragen und gelebt wird.
Christian Lundsgaard-Hansen, Inhaber Sparkr

Dasselbe gilt für Führung. Das Leadership-Framework von Sparkr mit den sieben Spannungsfeldern moderner Führungskräfte zeigt unter anderem, dass gute Führung sich zwischen Polen bewegt wie „allwissendes Expertentum vs. aktives Zuhören“ oder „Macht konzentrieren vs. teilen“.

Gute Führung ist adaptiv, kontextsensitiv und immer auch eine Frage der Kommunikationshaltung: Wann muss ich klar informieren, und wann sollte ich aktiv zuhören, um vorwärtszukommen? Wann ist der richtige Moment, um Verantwortung zu teilen und einen partizipativen Weg einzuschlagen, und wann ist ein Entscheid fällig? Solche und weitere Fragen erfordern ein Gespür für die richtige Kommunikation im richtigen Moment.

Kommunikation ist überall

Das Wort "Kommunikation" geht auf das lateinische communicatio zurück, verwandt mit communicare: teilen, mitteilen, gemeinsam machen. Bei "Kommunikation" ist also die Idee des Gemeinsamen der Kern – etwas in einen gemeinsamen Raum zu bringen, an dem mehrere Menschen teilhaben können.

Und deshalb ist Kommunikation ist auch Zuhören im erweiterten Sinn: Was sagen mir der Markt und die Kundschaft, der Zeitgeist, die Zukunft, das Team, unsere Werte? Welche Signale empfange ich, wenn ich in diesem Sinne zuhöre? Kommunikation ist holistisch, und entsprechend breit ist mein Interesse an Kommunikation:

  • In der strategischen Kommunikation geht es beispielsweise darum, die Essenz einer Marke, eines Unternehmens oder einer Führungspersönlichkeit freizulegen und in eine Sprache zu übersetzen, die über mehrere Dimensionen hinweg konsistent, glaubwürdig und wirksam ist. In einem Blog-Beitrag zu Marken und Archetypen beschreibe ich diese Verbindung von Vision, Werten, Haltung und Ausdruck als Grundlage einer starken Markenidentität.

  • In der Auftrittskompetenz für Führungskräfte geht es darum, Gedanken so auf den Punkt zu bringen, dass Menschen den Kernbotschaften folgen können und letztlich der Führungskraft folgen wollen. Und weil man, in den Worten von Paul Watzlawick, „nicht nicht kommunizieren kann“, ist Auftrittskompetenz nicht nur auf einer Bühne nötig, sondern auch in Meetings, in Townhalls, in Podiumsdiskussionen oder in heiklen Entscheidungssituationen.

  • In der Teamarbeit geht es darum, Kommunikationsmuster sichtbar zu machen, weil Vertrauen, psychologische Sicherheit und Leistung wesentlich davon abhängen, wie Menschen miteinander sprechen. Eine klare Kommunikationskultur reduziert Reibungsverluste, beschleunigt Entscheidungen und macht Konflikte früher benenn- und auflösbar. Laut dem 2024 State of Business Communication Report verbringen Wissensarbeitende heute rund 88 Prozent ihrer Arbeitswoche mit Kommunikation über verschiedene Kanäle hinweg. Wie ich in diesem Xing-Artikel beschrieben habe, ist Kommunikation folglich nicht das, was zwischen der „eigentlichen Arbeit“ passiert. Kommunikation ist in vielen Kontexten die eigentliche Arbeit.

  • In der Workshop-Moderation für Strategie- oder Innovationsprozesse geht es darum, Unklarheiten oder Missverständnisse aufzudecken und unterschiedliche Perspektiven so zusammenzuführen, dass daraus Erkenntnisse, Prioritäten, Entscheidungen und konkrete nächste Schritte entstehen – idealerweise getragen von allen Beteiligten.

Was gute Workshop-Moderation ausmacht

Gerade weil Moderation zum Beispiel in einem Strategieworkshop oder einer Sitzung der Geschäftsleitung oft unterschätzt wird, lohnt sich hier eine klare Unterscheidung: Ein guter Moderator ist nicht einfach jemand, der eloquent ist. Ein guter Moderator macht Verständigung möglich.

Aus meiner Sicht gehören dazu mindestens sechs Dinge.

  1. Vorbereitung

    Wer etwa einen Strategieworkshop moderiert, muss das Thema ernst nehmen und im Vorfeld viel investieren. Gute Moderation beginnt nicht am Tag des Workshops, sondern in der Vorbereitung – mit sauberer Recherche, einem Verständnis für die Interessen und Bedürfnisse der Teilnehmenden, einem klaren Zielbild und der Fähigkeit, relevante Spannungsfelder im Voraus zu antizipieren.

  2. Zuhören und radikale Präsenz

    Zuhören ist keine passive Höflichkeit, sondern ein Akt radikaler Präsenz im Moment. Wer gut moderiert und aktiv zuhört, erkennt nicht nur, was gesagt wird, sondern auch, was noch unklar, unausgesprochen oder unausgereift ist. Und in dem Sinne ist Zuhören auch wertschaffende Führungsarbeit.

  3. Rahmensetzung

    Ein guter Moderator schafft Orientierung: Ziele, Rollen, Dramaturgie und Erwartungen müssen so gesetzt werden, dass Menschen sich einbringen können, ohne in Beliebigkeit zu versinken. Gute Moderation balanciert explorative Offenheit und strukturierende, zielorientierte Leitplanken.

  4. Neugierde

    Gute Moderation ist kein Schaulaufen des Moderators, sondern ein ernsthaftes Interesse daran, andere oder eine Fragestellung zu verstehen. Wer neugierig ist, stellt bessere Fragen. Und bessere Fragen führen fast immer zu besseren Gesprächen. Aufrichtige Neugierde wird von Workshopteilnehmenden unterbewusst gespürt und schafft eine produktive Atmosphäre (Stichwort: psychologische Sicherheit).

  5. Verdichtung

    Ein erfolgreicher Workshop ist nicht einfach einer, in dem viel geredet wurde. Es ist einer, in dem auch viel gesagt wurde. In dem Komplexität sortiert, Unterschiede sichtbar und Erkenntnisse verdichtet wurden.

  6. Wirkung

    Am Ende sollte etwas entstanden sein: mehr Klarheit, eine zugespitzte Erkenntnis, eine tragfähige Entscheidung, eine neue Perspektive oder eine spürbare Verbindung zum Publikum. Gute Moderation managt nicht nur Redezeit, sondern schafft Fortschritt.

Fazit

Führung bedeutet nicht nur entscheiden. Führung bedeutet auch, Sinn zu geben, Prioritäten verständlich zu machen, Spannungen auszuhalten oder abzubauen, Menschen einzubinden und aus Unsicherheit Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Darum bringt ein guter Moderator Menschen und Gedanken so zusammen, dass aus Austausch Erkenntnis, Richtung und Wirkung wird.


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Christian Lundsgaard-Hansen schreibt über Wirtschaft & Management, Innovation, Job & Karriere, Personalwesen

Meine Passion ist das Erkennen, Analysieren & Zünden von Veränderungen in Wirtschaft & Gesellschaft. Ich glaube nicht an Silos. Ich glaube nicht an blinden Aktionismus. Ich glaube an den Wert guter Beziehungen, Kreativität, Pragmatismus & Weitsicht. www.sparkr.ch

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