Der Finanzbranche mangelt es an Fehlerkultur

Die Art und Weise, wie Menschen mit Fehlern umgehen, ist entscheidend, da jeder Fehler machen kann. Eine Fehlerkultur spielt dabei eine wichtige Rolle.

Eine positive Fehlerkultur beinhaltet ein proaktives und konstruktives Fehlermanagement, anstatt Fehler zu verbergen oder zu bestrafen. Eine solche Kultur wirkt sich positiv auf die Rentabilität, Innovationsfähigkeit und die Qualität von Produkten und Dienstleistungen eines Unternehmens aus.

Eine Studie, die in Zusammenarbeit von EY, der ESCP Business School und der Hochschule Hamm-Lippstadt durchgeführt wurde, befragte etwa 800 Mitarbeiter und Führungskräfte aus verschiedenen Branchen, darunter auch Banken und Versicherungen, zu diesem Thema. Das Ergebnis der Studie ist ernüchternd: Obwohl Führungskräfte und Mitarbeiter von dem großen Wert einer positiven Fehlerkultur überzeugt sind, gibt es erhebliche Versäumnisse, insbesondere in Bezug auf die Fehlerkompetenz und die Vorbildfunktion der Vorgesetzten. Besonders in der Finanzbranche sind deutliche Defizite erkennbar.

Bedeutung einer guten Fehlerkultur

Die Umfrage verdeutlicht, dass den Befragten die Bedeutung einer positiven Fehlerkultur und der Förderung durch Führungskräfte bewusst ist. Sie bewerteten auf einer Skala von 1 bis 10 den proaktiven und konstruktiven Umgang mit Fehlern durch Vorgesetzte mit hohen Werten von 8,1 bis 9,3 als relevant. Sowohl bei den Führungskräften als auch bei den Mitarbeitern in der Finanzbranche wurden hohe Werte von 9,01 bzw. 8,42 erzielt.

Schlechte Fehlerkultur in der Finanzbranche

Für eine gute Fehlerkultur ist es wichtig, dass Fehler offen angesprochen werden. Laut der Studie besteht insbesondere in der Finanzbranche ein erhebliches Defizit in diesem Bereich. 82 Prozent der Führungskräfte und 84 Prozent der Mitarbeiter geben an, dass Fehler entweder gar nicht oder nur teilweise angesprochen wurden.

Ein entscheidender Grund dafür liegt in der mangelnden Diskussionskultur. Sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter bemängeln das Fehlen einer offenen Diskussionskultur, wobei die Einschätzung je nach Standpunkt unterschiedlich ausfällt.

Laut der Studie identifizieren Führungskräfte bestimmte Hindernisse für einen konstruktiven Umgang mit Fehlern. Dabei nennen sie vor allem alte Gewohnheiten (50 Prozent), die Angst vor Gesichtsverlust (48 Prozent) und das mangelnde unternehmerische Denken der Mitarbeiter (38 Prozent) als maßgebliche Faktoren. In Bezug auf ihr eigenes Fehlerverhalten geben Führungskräfte hauptsächlich die Sorge vor Karrierenachteilen (43 Prozent) und die Angst vor Jobverlust (34 Prozent) als Hauptgründe an, nicht zu ihren eigenen Fehlern zu stehen. Es zeigt sich branchenübergreifend, dass insbesondere in der Finanzwirtschaft eine hohe Besorgnis hinsichtlich möglicher Karrierenachteile besteht (jeweils 58 Prozent).

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Dr. Hansjörg Leichsenring schreibt über Finanzdienstleistung, Banken und Sparkassen

Seit über 30 Jahren befasse ich mich beruflich mit Banken und Finanzdienstleistern und berichte als Herausgeber und Autor des Bank-Blogs regelmäßig über aktuelle und grundsätzliche Entwicklungen und Trends rund um Banken und Finanzdienstleister.

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