5 Fehler neuer Führungskräfte – machst du sie auch? | © Getty Images

Die 5 häufigsten Fehler neuer Führungskräfte (und warum sie vermeidbar sind)

Der Schritt in eine Führungsrolle erfolgt häufig schneller als erwartet. Eben noch Teil des Teams, plötzlich verantwortlich für Menschen, Entscheidungen und Ergebnisse. Viele neue Führungskräfte merken dabei rasch: Fachliche Kompetenz allein reicht plötzlich nicht mehr aus, um sicher und wirksam zu führen. Doch was tun?

Das hat übrigens nichts damit zu tun, dass du als Führungskraft nicht geeignet bist. Im Gegenteil: Die meisten Führungskräfte starten ohne systematische Vorbereitung in ihre Rolle. Führung wird vorausgesetzt, aber selten erklärt oder gelehrt. Entsprechend entstehen typische Fehler, und zwar nicht aus mangelndem Engagement, sondern weil die passenden Werkzeuge einfach fehlen.

Fehler 1: Entscheidungen transparent erklären

Viele neue Führungskräfte versuchen, Entscheidungen besonders ausführlich zu begründen. Sie erklären Hintergründe, Kontexte und Abwägungen bis ins Detail, in der Hoffnung, Akzeptanz und Verständnis zu schaffen. Die Absicht dahinter ist meist positiv: fair sein, transparent bleiben und niemanden übergehen.

In der Praxis führt das jedoch oft zu Orientierungslosigkeit. Wenn alles erklärt wird, fehlt am Ende häufig das Entscheidende: eine klare Richtung. Mitarbeitende wissen dann zwar, warum etwas wichtig ist, aber nicht, was konkret von ihnen erwartet wird und wo es hingehen soll. 

Führung bedeutet nicht, alles nachvollziehbar zu machen. Führung bedeutet, Klarheit zu schaffen. Weniger Erklärung und mehr Struktur helfen dem Team oft deutlich mehr als gut gemeinte Ausführlichkeit.

Fehler 2: Entscheidungen ausführlich abwägen

Ein häufiger Fehler ist das Zögern bei Entscheidungen. Neue Führungskräfte möchten nichts falsch machen und wägen deshalb jede Option ausführlich ab. Das kennst du vermutlich, oder? Entscheidungen werden vertagt, im Team endlos diskutiert oder so lange relativiert, bis sie ihre Wirkung verlieren. Du willst jeden miteinbeziehen und bloß keine falschen Entscheidungen treffen. Das ist verständlich, doch das Ergebnis ist nicht Sicherheit, sondern Stillstand. Teams verlieren Orientierung, Verantwortung wird diffus, und wichtige Themen bleiben liegen.

Entscheidungsstärke heißt nicht, immer recht zu haben. Sie bedeutet, handlungsfähig zu bleiben und Verantwortung zu übernehmen, auch unter Unsicherheit. Denn ganz ehrlich, niemand hat immer 100 Prozent der Informationen, um eine absolut korrekte Entscheidung zu treffen, und viele von ihnen lassen sich korrigieren. Nicht zu entscheiden, kostet hingegen fast immer Zeit, Energie und Vertrauen.

Fehler 3: Operativ bleiben neben der Verantwortung

Viele neue Führungskräfte arbeiten weiter wie zuvor – nur mit mehr Aufgaben. Sie springen ein, lösen Probleme selbst und behalten operative Details in der eigenen Hand. Es ist einfach ungewohnt, Dinge zu delegieren und anderen zu vertrauen. Tatsache ist jedoch, dass du neue Aufgaben hast und (in der Regel) nicht zusätzliche.

Langfristig entsteht also ein Engpass, wenn du auch weiterhin deine alten Aufgaben erledigen willst. Die Führungskraft wird zum Flaschenhals, das Team wartet auf Freigaben, und echte Eigenverantwortung kann sich nicht entwickeln. Gleichzeitig steigt deine eigene Belastung kontinuierlich.

Verantwortung abzugeben, ist kein Kontrollverlust, sondern Führungsarbeit. Entscheidend ist nicht, alles selbst zu erledigen, sondern klare Zuständigkeiten zu definieren und Vertrauen mit Struktur zu verbinden.

Fehler 4: Konflikten Zeit geben zur Lösung

Konflikte gehören zum Führungsalltag. Unterschiedliche Erwartungen, Arbeitsstile oder Interessen führen zwangsläufig zu Spannungen. Viele neue Führungskräfte hoffen jedoch, dass sich diese Konflikte von selbst lösen, wenn man ihnen genug Zeit gibt.

Das passiert selten. Unausgesprochene Konflikte verschwinden nicht, sie verlagern sich. Sie zeigen sich in passivem Widerstand, sinkender Motivation oder unterschwelliger Spannung im Team. Im schlimmsten Fall führt es zu Kündigungen, die dich vor noch mehr Probleme stellen.

Konflikte anzusprechen ist keine Eskalation, sondern Prävention. Mit einer sachlichen, klaren Gesprächsführung lassen sich viele Themen früh klären, bevor sie größer werden. Führung heißt auch, unbequeme Gespräche nicht zu vermeiden, sondern verantwortungsvoll anzugehen. Auch wenn es am Anfang ungewohnt ist. 

Fehler 5: Alles richtig machen wollen

Der vielleicht größte Fehler ist der Anspruch, keine Fehler machen zu dürfen. Viele neue Führungskräfte setzen sich selbst enorm unter Druck. Sie wollen gerecht sein, kompetent wirken, das Team mitnehmen und gleichzeitig Ergebnisse liefern.

Kommt dir das bekannt vor?

Dieser Anspruch ist verständlich, aber unrealistisch. Niemand macht alles richtig. Führung ist ein Lernprozess. Niemand beherrscht ihn von Anfang an. Wer versucht, alles perfekt zu machen, verliert oft die eigene Sicherheit und wirkt nach außen unklar.

Wirksame Führung entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Reflexion. Fehler sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Entwicklung, wenn du bereit bist, daraus zu lernen.

Führung ist lernbar!

Wenn du dich in einem oder mehreren dieser Punkte wiedererkennst, ist das ein super Anfang. Es zeigt, dass du reflektierst und Verantwortung ernst nimmst.

Die meisten Führungsfehler werden nicht gemacht, weil jemand absolut ungeeignet ist, sondern aus Unwissenheit und somit fehlender Vorbereitung. Mit den richtigen Werkzeugen, klaren Strukturen und der Bereitschaft, dazuzulernen, lassen sich diese Fehler Schritt für Schritt korrigieren.

Starte mit dem E-Book rund um „5 fatale Fehler die Führungskräfte machen und wie du es besser machen kannst“: Hier klicken.

Rebekka Ilgner schreibt über Empathische Führung, Job & Karriere, Wirtschaft & Management, Emotionale Intelligenz

Hey, ich bin Rebekka Ilgner: Führungskräfte-Entwicklerin mit dem Schwerpunkt Empathie.

Artikelsammlung ansehen