Veränderungen bestimmen derzeit den Alltag vieler Managerinnen und Manager. - Foto: Getty Images [M]
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Wo sehen Manager die größten Probleme?

Das Handelsblatt und Civey haben 500 Manager befragt. Ein Ergebnis: Gerade kleinere Unternehmen drohen zwei Schlüsselthemen zu verpassen. Teil 1 unserer Transformationsserie.

Berlin. Deutsche Unternehmen stehen unter Druck: Geopolitische Herausforderungen, technologischer Wandel oder der Fachkräftemangel zwingen hiesige Firmen, sich ständig zu verändern und weiterzuentwickeln.

Manager müssen ihre Unternehmen nicht nur durch die aktuelle Situation navigieren, sondern auch für die Zukunft rüsten. Ob Restrukturierung, grüne oder digitale Transformation: Die Herausforderungen sind enorm.

Wie erleben Unternehmenslenker diese Zeit des Umbruchs? Was sind aktuell die größten Transformationstreiber in deutschen Unternehmen und wie lassen sich Prozesse erfolgreich umsetzen? Vor welchen Herausforderungen stehen Führungskräfte und welche Ziele wollen sie mit einer Transformation erreichen? Das Handelsblatt Research Institute hat mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey dazu 500 Mittel- und Topmanager aus kleinen, mittelständischen und großen Unternehmen befragt.

So führen Sie richtig in der Transformation

In einem Schwerpunkt wendet sich das Handelsblatt an Führungskräfte, die vor der Frage stehen: Wie klappt Führung und Change Management in Zeiten der Transformation? Lesen Sie hier das Programm im Überblick.

Fachkräftemangel zwingt Unternehmen zur Transformation

Vor allem die immer knapper werdenden Arbeitskräfte sorgen dafür, dass Unternehmen umdenken müssen. Rund 31 Prozent der befragten Manager gaben an, dass der Mangel an guten Mitarbeitern am ehesten eine Transformation im eigenen Unternehmen erfordert.

Vor allem in Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern ist die Not groß: Ein Drittel der dortigen Führungskräfte nannte den Fachkräftemangel als Haupttreiber für eine Veränderung.

Fachkräftemangel als Haupttreiber von Transformationsprozessen

Frage: Welches dieser Themen erfordert am ehesten einen Transformationsprozess in IHrem Unternehmen?

Herbert Dreier von der Unternehmensberatung CC international begleitet seit vielen Jahren Führungskräfte vor allem bei digitalen Transformationen. „Der Arbeitskräftemangel ist zweifellos ein wichtiger Treiber für Transformationsprozesse“, sagt er. „Ich würde aber die Digitalisierung und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz höher bewerten.“

Aufgaben, die Mitarbeiter früher manuell erledigen mussten, könnten mithilfe von KI automatisiert werden. Das macht Unternehmen effizienter. Weniger Arbeitskräfte sind nötig. „Was wiederum das Problem des Fachkräftemangels ein Stück weit lösen könnte“, sagt Dreier.

allerdings vor allem in Konzernen. In kleinen und in mittelständischen Unternehmen fanden nur fünf beziehungsweise 15 Prozent der Manager, dass KI im eigenen Unternehmen einen Transformationsprozess erfordert. Geopolitische Herausforderungen sehen dagegen nur 3,5 Prozent als wichtigen Grund.

Lena Kilee von der Personalberatung Egon Zehnder glaubt allerdings, dass sich das in Zukunft ändern wird. Geopolitische Ereignisse, steigende Kosten oder Marktveränderungen – all das sind Themen, die dafür sorgen, dass Unternehmen sich anpassen müssen. „Ein Manager erzählte mir kürzlich, dass er sich in seinem Beritt mit sieben aktiven Kriegen und 47 grenzüberschreitenden Konflikten auseinandersetzen muss.“

So führen Sie richtig in der Transformation

In einem Schwerpunkt wendet sich das Handelsblatt an Führungskräfte, die vor der Frage stehen: Wie klappt Führung und Change Management in Zeiten der Transformation? Lesen Sie hier das Programm im Überblick.

Effizienz rauf, Kosten runter

Transformationen zielen vor allem darauf ab, effizienter zu arbeiten und die Kosten im Unternehmen zu senken. Mehr als jeder zweite befragte Manager gab an, dass eine höhere Effizienz eines der wichtigsten Ziele von Transformationsprozessen sei.

Reduzierte Fixkosten nannten rund 40 Prozent. Eine deutlich kleinere Rolle spielen dagegen die Mitarbeiterbindung und die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens.

Mitarbeiter entscheiden über Erfolg einer Transformation

Der Erfolg einer Transformation hängt laut den befragten Managern stark davon ab, wie sehr die Mitarbeiter den Prozess unterstützen. Knapp die Hälfte von ihnen hält die Belegschaft für einen besonders wichtigen Stakeholder bei Veränderungen im Unternehmen. Rund 41 Prozent nannten hier auch die Geschäftsführung. Danach folgen das Mittelmanagement und Mitarbeitervertretungen wie der Betriebsrat.

„Im Zweifel kann jede Partei das Zünglein an der Waage sein“, sagt Transformationsexperte Herbert Dreier. Gerade Arbeitnehmervertreter würden in Veränderungsprozessen oft unterschätzt und zu wenig eingebunden. Ein großer Fehler, meint Dreier.

Wer den Betriebsrat eher als Störfaktor denn als wichtigen Partner sehe, müsse sich nicht wundern, wenn sich Widerstand regt. „Das ist wie bei Dornröschen“, sagt er. Die 13. Zauberin, die Dornröschen verflucht hat, sei auch nicht grundsätzlich böse gewesen. „Sie wurde nur übergangen.“

Wer transformieren will, muss kommunizieren können

Um jeden Beteiligten bei einem Transformationsprozess einzubeziehen, ist eine gute Kommunikation erforderlich. Das sehen auch die befragten Manager so: Mehr als 57 Prozent stimmten der Aussage zu, dass Kommunikation in der Transformation die wichtigste Eigenschaft von Führungskräften ist.

Kommunikation bedeutet dabei laut Dreier aber nicht nur, dass ein Manager in einer Townhall markige Reden halten kann. „Kommunikation ist auch, wie ein Mensch handelt und agiert.“ Sie passiert überall, jederzeit. Manager müssten sich bewusst machen, dass sie ständig beobachtet und bewertet werden. Von Mitarbeitern, dem Betriebsrat oder anderen Stakeholdern. Dreier: „Auch wer nichts sagt, sagt etwas.“

Wie Unternehmen Transformationshürden meistern können

Zu den größten Fehlern bei Transformationen zählt laut den befragten Managern eine unklare Zielsetzung. Hier ist es laut Beraterin Kilee allerdings wichtig, zwischen einer Transformation und einzelnen Veränderungsprozessen zu unterscheiden. „Eine Transformation folgt einer Vision und erfordert die Bereitschaft, sich selbst und den Prozess immer wieder neu auszurichten“, sagt sie. In Veränderungsprozessen hingegen arbeite man auf einzelne Zwischenziele hin. „Diese sollten allen klar sein.“

Als weitere große Herausforderungen nannten die Unternehmenslenker unter anderem Widerstände der Mitarbeiter, Transformationsmüdigkeit oder Unvorhersehbarkeit. Wie Manager auf diese Herausforderungen reagieren können, lesen Sie in den kommenden Tagen.

Zum Auftakt unserer Management Summer School geben mehrere Managementcoaches und Berater konkrete Tipps, wie Führungskräfte zum Beispiel erkennen, wann Mitarbeiter von Transformationsprozessen ausgelaugt sind, oder wie sie unvorhersehbare Situationen besser meistern können.

So führen Sie richtig in der Transformation

In einem Schwerpunkt wendet sich das Handelsblatt an Führungskräfte, die vor der Frage stehen: Wie klappt Führung und Change Management in Zeiten der Transformation? Lesen Sie hier das Programm im Überblick.

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In einem Schwerpunkt wendet sich das Handelsblatt an Führungskräfte, die vor der Frage stehen: Wie klappt Führung und Change Management in Zeiten der Transformation? Lesen Sie hier das Programm im Überblick.

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