NWX – New Work News

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Alles zur Zukunft der Arbeit

Auf Veränderungen warten? Kommt nicht infrage! Wie eine junge Frau uns zu plastikfreien Ozeanen navigiert

Eigentlich wollte Emily Penn auf dem Weg zu ihrem ersten Jobangebot nur den Flug umgehen und stattdessen mit dem Boot nach Australien segeln. Doch als sie auf dieser Reise auf Unmengen an Plastik im Meer stieß wusste sie, dass sie ihr Leben dem Umweltschutz widmen möchte. Darauf zu warten, dass Politik und Entscheider etwas ändern, kam für sie nicht infrage. Heute ist sie ist Skipperin und Botschafterin der Meere und widmet sich der Erforschung von Umweltproblemen in den entlegensten Teilen unseres Planeten.

Mittlerweile organisiert sie mit der von ihr 2014 initiierte Non-Profit-Organisation eXXpedition Expeditionen mit einem Segelschiff, dessen Crew aus Expertinnen interdisziplinärer Fachbereiche besteht. Bei der NEW WORK EXPERIENCE am 10. Juni in der Hamburger Elphi wird sie über ihre ungewöhnliche Geschichte und ihren Lebenstraum sprechen – wir haben sie vorab zum Interview getroffen.

Das Wasser ist offensichtlich Dein Element, was verbindet Dich mit dem Meer?

Emily Penn: Das Meer kenne ich von klein auf, aus diesem Grund habe ich so eine enge Beziehung dazu. Ich bin in Südwales in Großbritannien aufgewachsen und habe die meiste Zeit an der Küste und beim Segeln verbracht, bin also praktisch auf dem Wasser groß geworden. Es ist der Ort, an dem ich mich am wohlsten fühle. Dazu kommt aber auch das Wissen um die Rolle, die das Meer für unseren Planeten spielt – es reguliert die Temperatur, es versorgt die Luft, die wir atmen, mit Sauerstoff, es ist die Grundlage unserer Nahrungskette und unserer Süßwasserversorgung. Das alles führt mir vor Augen, wie sehr wir Menschen mit den Ozeanen verbunden sind und wie elementar wichtig sie für unser Fortbestehen sind. Demzufolge spüre ich auch aus reinem Überlebensinstinkt diese enge Verbindung.

Welcher Moment war es, der dich bewogen hat, dein Karriereziel als Architektin aufzugeben und dich den Meeren und ihrem Schutz zu verschreiben?

Emily Penn: Nachdem ich mein Architekturstudium abgeschlossen hatte, war ich auf dem Weg zu meinem ersten Job nach Australien. Ich wollte dabei aufs Fliegen verzichten und so habe ich in einem Boot den Atlantik und den Pazifik überquert. Und da, mitten auf dem Pazifik, etwa 800 Meilen vom nächsten bewohnten Land entfernt, stießen wir auf Plastik. Wir gingen vom Boot aus schwimmen und plötzlich zogen Zahnbürsten, Flaschenverschlüsse und dazwischen Mikroplastik an uns vorbei. Das ergab für mich überhaupt keinen Sinn. Ich konnte nicht begreifen, wie diese Plastikteile in diese gottverlassene Gegend mitten im Ozean gekommen waren. Das war der Moment, in dem ich dachte: Dagegen muss man doch etwas tun!

Was ist nötig, damit aus einer privaten Initiative eine Aktion wird, die gesellschaftlich etwas bewirken kann?

Emily Penn: Jede Menge Beharrlichkeit und viel Zeit. Diese besagte Reise um die Welt liegt zwölf Jahre zurück, und ich habe danach mindestens drei Jahre lang an weiteren, eher privaten Projekten gearbeitet, bis ich an den Punkt gelangte, mich meinem Anliegen beruflich zu widmen. Damals habe ich ganz klein angefangen. Ich entschied mich für eine winzige Insel im Pazifik und überlegte mir, was ich dort im Rahmen meiner Möglichkeiten tun könnte. Zusammen mit der örtlichen Gemeinde, den lokalen Regierungen und kleinen Unternehmen arbeitete ich an Lösungen für das Müllproblem in Tonga. Nachdem wir das einmal in dieser überschaubaren Größenordnung gestartet hatten, war es einfacher, die Aktionen auch im größeren Maßstab weiter zu entwickeln. Das wuchs alles ganz gemächlich mit der Zeit. Damals dachte ich nicht im Traum daran, zwei Jahre lang mit 300 Frauen um die Welt zu segeln, um an wissenschaftlichen Forschungsarbeiten und Dokumentationen zu arbeiten. Solche Projekte brauchen Zeit, um zu reifen.

Warum hast du mit deinem Engagement nicht zu Hause begonnen?

Emily Penn: Ich war nun einmal auf dem Weg zu diesem Job in Australien, und als wir die Inseln von Tonga passierten, fanden wir die Strände dort mit Plastik übersäht. Das stammte einerseits von den Bewohnern, andererseits aber war es von Ländern angeschwemmt worden, die Tausende Meilen entfernt liegen. Das schien mir der perfekte Ort zu sein, um etwas gegen die Umweltverschmutzung zu tun. In diesem Teil der Welt ist man mit ganz anderen Bedingungen konfrontiert als in Großbritannien. In Großbritannien ist die Messlatte für die Herausforderungen viel weiter oben angesiedelt, du musst mit Industriebossen agieren, mit der Regierung und mit den Medien. In Tonga konnte ich einfach so mit anpacken, ohne dass ich einen professionellen Hintergrund hatte, ohne Expertenkenntnisse oder Kompetenzen. Und mit der Erfahrung, die ich dort gesammelt habe, bin ich jetzt viel besser gerüstet, um mich zu Hause den gleichen Problemen zu widmen, aber auf höherem Niveau.

Wir schützen die Dinge, die wir lieben, und wir lieben, was wir kennen.
Umweltaktivistin Emily Penn

Viele Stadtmenschen haben gar keinen Kontakt mehr zur Natur. Wie kann es gelingen, dass Umweltbewusstsein nicht nur auf akademischem Wissen und Kopfentscheidungen beruht, sondern auch emotional verankert ist?

Emily Penn: Wir schützen die Dinge, die wir lieben, und wir lieben, was wir kennen. Meiner Meinung nach ist es entscheidend, dass man der Natur von klein auf hautnah begegnet. Ich schaue während unseres Telefonats hier gerade aus dem Fenster auf eine wunderschöne Birke, die sieht einfach perfekt aus. Es ist genau diese Art von Ehrfurcht vor der Natur, die mir das Gefühl gibt, dass ich sie beschützen möchte. Das ist etwas, das mir schon in jungen Jahren mitgegeben wurde, und ich glaube, das stellt sich nur ein, wenn man viel Zeit im Freien verbringt.

Heißt das, wir sollten das ganze Wochenende im Wald verbringen?

Emily Penn: Ich denke, das wäre ein guter Anfang, um diese Wertschätzung zu erlernen. Aber es ist vielleicht auch ein guter Ansatz nach Wegen zu suchen, die Natur verstärkt in die Stadt zu integrieren. Ich habe Architektur studiert, und wenn ich mir überlege, wie man ein umweltfreundliches Gebäude entwirft, denke ich nicht unbedingt zuerst an Sonnenkollektoren und Windturbinen.

Ich würde mir überlegen, wie man den Blick aus dem Gebäude rahmen könnte, um die Natur hervorzuheben und zu zelebrieren. Wie schafft man es, den Raum mit der Schönheit eines Sonnenuntergangs zu füllen? Wie errichtet man ein Haus um einen prächtigen Baum herum? Da gibt es so viele Möglichkeiten. Wir könnten in diesem Zusammenhang auch über Umweltbildung für Kinder sprechen. Und natürlich über Werbung und Marketing und Politik und Wirtschaft. All diese unterschiedlichen Aspekte unserer Gesellschaft haben die Möglichkeit, uns auf ihre Art und Weise zu lenken. Meiner Meinung nach müssen wir uns mehr der Natur zuwenden statt uns wie derzeit von ihr abzuschotten.

Du organisierst reine Frauen-Expeditionen, um die Auswirkungen von Plastik und Giftstoffen auf die Ozeane zu erforschen. Haben Frauen ein anderes Verhältnis zur Natur als Männer?

Emily Penn: Ich habe mein Blut auf chemische Schadstoffe testen lassen, die im Meerwasser zu finden sind. Mit dem erschreckenden Ergebnis, dass 29 der von uns getesteten 35 giftigen Stoffe in meinem Körper nachgewiesen wurden. Die meisten davon sind endokrine Disruptoren, also Chemikalien, die das Hormonsystem des Körpers schädigen. Dass wir Frauen diese Stoffe in uns tragen, auch während einer Schwangerschaft, und sie an unsere Kinder weitergeben, ist doch eine furchtbare Nachricht. Das ist ein Umweltproblem, das speziell Frauen angeht. Und so haben wir 2014 die erste eXXpedition zusammengestellt.

Ich war überzeugt, dass es eine einmalige Aktion bleibt. Aber dann sind wir da rausgefahren und mir wurde klar, wie anders es ist, mit einem reinen Frauenteam unterwegs zu sein. Diese starken Bindungen, die sich an Bord herausbilden, und wie diese Frauen sich auch noch nach der Reise gegenseitig unterstützen, nachdem wir uns wieder in alle Winde verstreut hatten. So etwas hatte ich noch nie zuvor erlebt und ehrlich gesagt auch nicht erwartet. Aber es hat etwas ungemein kraftvolles, wenn Frauen gemeinsam an einem Thema arbeiten, das ihnen etwas bedeutet.

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Event-Info: Emily Penn tut das, was sie wirklich, wirklich will – und sensibilisiert dafür, das zu schützen, was uns am Herzen liegt. Mehr spannende, visionäre und mutige Geschichten und Erfahrungen rund um New Work kannst Du bei der NWX am 10. Juni 2020 live erleben. Das von XING initiierte Event ist die größte Austauschplattform zur Zukunft der Arbeit im deutschsprachigen Raum und baut der New Work Bewegung die große Bühne, damit sich immer mehr Menschen und Unternehmen auf den Weg machen. Sicher Dir jetzt ein Ticket – und werde Teil der New Work Bewegung.

Alle sind eingeladen, ihre Erfahrungen und Kenntnisse zu teilen, um die Diskussionen rund um das neue Arbeiten voranzutreiben und die Arbeitswelt der Zukunft mitzugestalten. Denn New Work ist nur dann der Schlüssel für eine bessere Arbeitswelt, wenn es Ideen, Veränderungen und Tools mit sich bringt, die tatsächlich helfen, funktionieren und angewendet werden können. New Work – make it work! Auf der NWX20.

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Alles zur Zukunft der Arbeit: Auf dieser News-Seite finden alle New Work-Interessierten multimedialen Content rund um das Thema. Neben Experten-Interviews, Debatten, Studien, Tipps und Best Practices, erwarten die Leser auch Video- und Podcastformate. Und natürlich ein Überblick unserer gesamten New Work Events, die mehrmals im Jahr im gesamten deutschsprachigen Raum stattfinden. Weitere spannende Inhalte zum Thema New Work finden Sie auf: nwx.new-work.se
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