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NWX – New Work News

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Alles zur Zukunft der Arbeit

„Das Risiko, sich mit einem Reiseblog selbstständig zu machen, hat sich gelohnt“

© Marion Payr

Ladyvenom aka Marion Payr ist eine der vielen prominenten TeilnehmerInnen der New Work Sessions „Mit einer neuen Kultur in eine neue Arbeitswelt“, die am 6. November in Wien stattfinden werden. Flexible Arbeitszeitmodelle, flache Hierarchien, agile Steuerungsinstrumente – wir stellen Ihnen die spannenden Speaker vor, die wir dort auf der Bühne sehen werden.

Marion, Du bist eine Digitale Nomadin, brauchst eigentlich nur einen Laptop, eine Kamera, Internet und ein Reiseziel für Deine Arbeit. Wann hast Du Dich entschieden, Reisebloggerin zu werden?

Das war bei mir gar kein geplantes Vorhaben, sondern eher ein organischer Prozess. 2011 habe ich mich mit einem privaten Account auf Instagram angemeldet, um Fotos aus meinem Wiener Alltag zu posten. Daraus ist dann nach und nach der Reiseblog entstanden. Also da steckte wesentlich mehr Zufall, als ein Business-Plan mit Strategie dahinter. Heutzutage starten Reiseblogger ja schon mit einem klaren Konzept und einer definierten Zielgruppe – das gab es bei mir alles nicht. 2013 ist dann eine Londoner Agentur auf mich zugekommen, mit einer internationalen Kampagne für einen Autohersteller – und das war für mich dieser „Aha“-Moment. Ab diesem Moment habe ich gemerkt, dass ich mit meiner damaligen Reichweite und meinen Inhalten auch Geld verdienen kann.

Wie hat Dein Umfeld auf diese Entscheidung reagiert?

Meine Familie und Freunde waren gar nicht so geschockt. Mein Mann betrieb zu der Zeit schon einen Mode-Blog, also war es für viele aus meinem Umfeld nicht überraschend, als wir gemeinsam thetravelblog.at starteten. Außerdem hat meine Familie auch mitbekommen, wie gut meine Auftragslage schon war, als ich das Bloggen noch nebenbei betrieb.

Du hast eine Zeit lang fest und frei gearbeitet?

Genau. Bis 2016 bin ich zweigleisig gefahren: eine Vollzeit-Stelle im Marketing und nebenbei und am Wochenende das Bloggen. Zwischen 2013 und 2016 kamen immer mehr Kunden aktiv auf mich zu. Ich habe aber auch selbst Unternehmen angesprochen, die zu mir und meinen Themen passten – was zwar auch oftmals grandios gescheitert ist, aber auch manchmal zu Aufträgen geführt hat. Anfang 2016 habe ich dann noch ein halbes Jahr in Teilzeit gearbeitet, um mich abzusichern. Als sich mein Arbeitgeber dann Mitte 2016 einer Restrukturierung unterzog, war das für mich ein Signal, zu gehen. Zu dieser Zeit lief der Blog auch schon gut genug und ich hatte einen fixen Langzeitkunden, so dass die Entscheidung zur Selbstständigkeit relativ leichtfiel.

Wie sah es mit Influencer Marketing in Österreich zu der Zeit aus?

Ich glaube, viele Unternehmen in Österreich waren vor sechs Jahren noch nicht so weit, was die Themen Blogger-Relations und Influencer-Marketing angeht. Viele haben gar nicht verstanden, worauf ich hinauswollte. Das hat sich mittlerweile aber geändert und der Markt hat sich professionalisiert.

Aus welchen Branchen kommen Deine Kunden?

Hauptsächlich aus dem Tourismusbereich. Es gibt auch Kunden, die ihre Marke mit dem Thema Reisen verknüpfen. Beispielsweise Automobilhersteller, wo der Blogger dann im Auto einen Roadtrip macht, wobei die Reise im Vordergrund steht, aber das Auto mit dabei ist. Mittlerweile habe ich auch Kunden aus ganz unterschiedlichen Branchen, die mit Social-Media-Themen kommen und meine Beratung benötigen. Für diese Kunden arbeite ich mit drei anderen Freelancern in einem Kreativstudio zusammen, weil ich das alleine nicht mehr schaffe. Über die Instagram Community habe ich zwei junge Instagramer gefunden, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben – und habe sie quasi in die Selbstständigkeit gedrängt (lacht).

Wie hart ist Deine Arbeit? Es gibt ja sehr träumerische Vorstellungen vom Reisebloggen.

Reisebloggen ist eine schöne Form von Arbeit, aber es ist Arbeit. Ich habe manchmal das Gefühl, die Fähigkeit verloren zu haben, Urlaub zu machen. Dennoch mache ich das gerne. Auf meinen Social-Media-Kanälen muss ich natürlich den Eindruck erwecken, dass ich auf Reisen und im Urlaub bin. Ich möchte die Leute ja inspirieren, dort Urlaub zu machen, wo ich gerade bin. Ich zeige ihnen also nicht die Stunden, die ich am Laptop sitze, Fotos bearbeite und Texte schreibe.

Vermisst Du das alte Arbeitsleben in Festanstellung manchmal?

Nein. Und ich muss dazu sagen, dass ich eigentlich nie der Typ für Selbstständigkeit war. Ich war auf einer Fachhochschule, weil ich vorgegebene Deadlines brauchte und nicht diese riesigen Zeitfenster in den Unis. Aber jetzt will ich nicht mehr zurück in eine feste Stelle. Ich finde es schade, dass die „alte“ Arbeitswelt noch so festgefahren aufgebaut ist. Damit schaden sich Unternehmen nur selbst. Wer sich alternativen Arbeitsmodellen nicht öffnet, bekommt keine jungen, gut ausgebildeten Mitarbeiter mehr.

Glaubst Du, dass Unternehmen in dieser Richtung mehr machen können?

Können? Sie müssen! Sie sind unter enormem Zugzwang. Unternehmen fragen mich immer wieder, ob ich Leute kenne, die Social Media für sie machen könnten. Meine Antwort: „Ja, ich kenne Leute – aber keiner von denen wird sich von euch anstellen lassen“. Das ist die bittere Realität für Unternehmen. Viele junge Leute machen heute ihr eigenes Ding.

© Marion Payr
Reisebloggerin Marion Payr aka Lady Venom.

Was müssten Unternehmen denn in Deinen Augen tun?

Sie sollten sich in jedem Fall neuen Arbeitsmodellen öffnen, die weggehen von festgefahrenen Strukturen räumlicher und zeitlicher Natur. Ich glaube, unsere Generation und die nächsten Generationen nach uns sind nicht mehr so gewillt, sich festen Strukturen unterzuordnen. Nine-to-five? Ortsgebundene Arbeit? Das sind für viele junge Leute Relikte vergangener Zeiten. Sie wissen, dass es auch anders geht, und dass „anders“ oftmals sinnstiftender ist. Darauf müssen Unternehmen reagieren. Vor allem die großen Konzerne mit ihrer Veränderungsgeschwindigkeit einer kaputten Dampflok.

Tun, was man selbst will. Das bedeutet auch manchmal, Sicherheiten aufzugeben und Mut zum Risiko zu haben. Das haben viele Menschen nicht.

Ich denke, das ist einerseits eine gesellschaftliche Frage. In Österreich oder Deutschland hadern wir eher, Risiko einzugehen, als in den USA beispielsweise. Auf der anderen Seite beobachte ich aber, dass sich das mit den Generationen auch verändert. Nehmen wir die beiden jungen Instagramer, die mich in einigen Projekten unterstützen: Die sind Anfang-Mitte 20. Schon im Studium haben beide nebenbei selbstständig gearbeitet. Ich bin Mitte-Ende 30. In meinem Studium habe ich „geringfügig angestellt“ gearbeitet. Hier erkenne ich schon einen Unterschied. Und trotzdem haben die beiden auch erst einmal abgewogen, ob sie nach dem Studium direkt selbstständig arbeiten möchten oder doch in einem Unternehmen fest anfangen sollten. Da ich aber schon einen etablierten Kundenstamm und auch ein fixes Jahresvolumen an Auftrag für die beiden hatte, fiel ihnen der letzte Schritt nicht ganz so schwer.

Gibt es in Österreich Institutionen oder Plattformen, wo sich Menschen zum Thema Selbstständigkeit informieren, austauschen oder experimentieren können?

Ja, da gibt es unzählige, eher informelle Netzwerke. Angefangen von Facebook-Gruppen, Social-Media-Friends, bis hin zu kleinen Konferenzen, New Work Treffen oder Frauennetzwerken. Eigentlich gibt es für jedes Thema Gruppen. Das ist bei Xing ja auch so. Für mich war der Grundbaustein „Instagramers Vienna“. Das war allerdings kein Business-Netzwerk, weit entfernt. Wir waren eine kleine Community von Instagramern, die sich zum Austausch und gemeinsamen Fotografieren getroffen hat. Und daraus ist dann der Rest entstanden. Das war nichts formell Geplantes. Wir sollten uns auch von dem Gedanken verabschieden, dass Vernetzung nur mit dem Austausch von Business-Karten funktioniert. Vernetzung soll über Interessen und Leidenschaften passieren - dann entstehen daraus die besten Business Ideen!

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Event-Info: Unternehmerische Sinnhaftigkeit und individuelle Ansprüche ans Arbeitsleben rücken immer stärker in den Fokus und werden so zum Antreiber der kulturellen Transformation. Frische Ideen, Austausch mit Innovatoren und New Workern, die Neues probiert und aus Fehlern gelernt haben – das steht im Mittelpunkt der NEW WORK SESSIONS, einem Event der ein Event der NEW WORK SE (früher XING SE), die am 6. November in Wien stattfinden. Gemeinsam mit den Partnern DNA Das Neue Arbeiten, kununu und Bene lädt XING Österreich dazu ein zu diskutieren und Impulse mitzunehmen. Mehr Informationen und Tickets finden Sie unter diesem Link.

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Alles zur Zukunft der Arbeit

Alles zur Zukunft der Arbeit: Auf dieser News-Seite finden alle New Work-Interessierten multimedialen Content rund um das Thema. Neben Experten-Interviews, Debatten, Studien, Tipps und Best Practices, erwarten die Leser auch Video- und Podcastformate. Und natürlich ein Überblick unserer gesamten New Work Events, die mehrmals im Jahr im gesamten deutschsprachigen Raum stattfinden. Weitere spannende Inhalte zum Thema New Work finden Sie auf: nwx.xing.com Anfragen gerne an: lisa.noelting@xing.com
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