NWX – New Work News

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Alles zur Zukunft der Arbeit

Ortsungebunden arbeiten: Maximale Freiheit auf minimalem Raum

(c) wohnwagon

Flexibel arbeiten, sich in einer Gemeinschaft geschützt fühlen und dennoch individuell leben – auf der Suche nach neuen Formen des Wohnens und Arbeitens sind die nachhaltigen Mini-Häuser von Wohnwagon eine interessante Alternative. Nicht erst, seit die Corona-Pandemie gravierende Fragen für die Zukunft aufgeworfen hat. 2019 belegte Wohnwagon mit dem Konzept den dritten Platz beim NEW WORK AWARD in der Kategorie "Unternehmen/Institutionen".

Allen Ballast abwerfen, endlich frei sein von drückenden Kosten und städtischer Enge! Tiny Houses sind inzwischen längst keine Spinnerei von überspannten Aussteigern mehr, sondern eine realistische Alternative zum althergebrachten Wohnkonzept. Vor allem, wenn sie wie von dem Start-up Wohnwagon in Gutenstein, knapp 60 Kilometer vor Wien, dermaßen durchdacht konstruiert und für einen nachhaltigen Lebensstil vervollkommnet werden. Bei Theresa Steininger, Geschäftsführerin und Mitbegründerin von Wohnwagon, hat dieser Ansatz nichts von romantisierender Verklärung, sondern basiert auf einem handfesten Konzept. „Wir wollen mit ganz konkreten Lösungen zeigen, dass nachhaltiges, ressourcenschonendes Wohnen auch Spaß machen kann.“ Das Team aus 29 Mitarbeitern, 2019 mit einem New Work Award in der Kategorie „Unternehmen/Institutionen“ ausgezeichnet, produziert autarke Wohneinheiten, auf Rädern oder auf festem Grund.

„Im Grunde ist Wohnwagen entstanden, weil wir unglaublich grantig waren mit der Situation, in der sich die Welt gerade befindet, mit Klimawandel und Ressourcenverschwendung. Über die letzten Jahrzehnte hat sich der durchschnittliche Wohnraum pro Person verdreifacht. Da wird möglichst billig gebaut, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, wie die nächsten Generationen den Baustoff entsorgen sollen. Aber bei diesem Fokus, möglichst billig möglichst viele Quadratmeter zu schaffen, verlieren wir den Menschen aus dem Blick.“ Theresas leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Art zu Leben beschränkt sich ganz deutlich nicht auf eine Reduzierung des Haushalts. Die Ambitionen reichen weit über den Aufruf zum Verzicht hinaus. „Wie wir bauen, wie wir wohnen, hängt unmittelbar mit vielen anderen Themen zusammen, mit unserer Mobilität, mit unserem Sozialleben, mit unserer Gesundheit.“

Autark leben und in Gemeinschaft – das ist kein Widerspruch

Entsprechend dieser Maxime folgt das Projekt Wohnwagon vier Grundprinzipien – Autarkie, Naturbaustoffe, Reduktion aufs Wesentliche und Gemeinschaft.

Autarkie, das heißt in Kreisläufen zu denken und die Energie, die man zum Wohnen braucht selbst herzustellen bzw. Wohneinheiten so zu konzipieren, dass die Bewohner möglichst selbst erzeugen können, was sie an Strom brauchen – für die warme Dusche, den Espresso oder das WLAN.

(c) wohnwagn
Arbeiten im Wohnwagon

Naturbaustoffe sorgen dafür, dass man ganz viele Dinge nicht mehr benötigt. Aufwändige Geräte für die Lüftung und Luftbefeuchtung sind überflüssig, wenn beim Bau eines Hauses auf die richtigen Materialien gesetzt wird. Dafür sind keine Hightech-Lösungen nötig. Im Gegenteil, es genügt, sich auf die Ressourcen aus der Natur zu besinnen und einen Blick auf die Baustoffe unserer Vorfahren zu werfen. So entstehen Wohnräume, die ein gesundes Raumklima verbreiten.

Reduktion auf das Wesentliche ist ein Weg, um sich von allem überflüssigen Ballast zu verabschieden. „Der durchschnittliche Europäer besitzt 10.000 Gegenstände“, sagt Theresa. Jeder muss für sich herausfinden, was er für das eigene Glücklichsein braucht und alles andere weglassen.

Gemeinschaft ist ein Thema, das mit dem vorhergehenden Punkt einhergeht. Wer nicht alles selbst besitzt, teilt mit anderen. „Wir Menschen haben seit Jahrtausenden immer in Gruppen miteinander gewohnt. Und seit ein paar Jahrzehnten glauben wir, dass wir alles für uns allein lösen müssen, dass jeder seinen eigenen Swimmingpool und Rasenmäher-Roboter braucht“, macht Theresa deutlich.

Die Freiheit haben, das Arbeitsleben anders zu gestalten

Vor allem aber eröffnet sich eine ganz neue Dimension individueller Freiheit. Plötzlich werden Lebensentscheidungen auf der Basis einer maximalen finanziellen Unabhängigkeit getroffen. Ein paar Festmeter Holz im Jahr, keine Stromrechnung, minimale Grundstückspacht. Wohnwagon-Besitzer stellen ihre kleine Behausung größtenteils bei Freunden, Familie oder Nachbarn auf, haben Bauernhöfe wiederbelebt, Leerstände genutzt oder sich zu Projekten dazu geklinkt. Auf das Arbeitsleben hat diese Art des Wohnens einen ganz unmittelbaren Einfluss, wie Theresa weiß: „Das führt zu der Freiheit, gewisse Entscheidungen anders zu treffen, sich vielleicht zu trauen, selbstständig etwas aufzubauen, weil man ein geringeres finanzielles Risiko trägt. Plötzlich eröffnet sich die Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen, die einem wirklich Freude bereitet.“ Der unternehmerische Aspekt wird aus Sicht von Theresa in jeglicher Richtung gefördert. „Da haben sich einige an Immobilienprojekte gewagt, die sonst kein Immobilieninvestment machen würden. Ich kauf mir so einen Wohnwagon, ich vermiete ihn sieben Jahre, dann hat er sich abbezahlt und dann gehört er mir.“ Hinzu kommt die Möglichkeit, dank der flexiblen Wohnform einen Standort in der Nähe des Arbeitsplatzes zu suchen. „Das ändert natürlich ganz viel an der Beziehung Wohnen-Arbeiten und bietet mehr Integration in das gesamtes Lebenskonzept.“

Wie viel Platz braucht der Mensch zum Leben?

Ein Haus auf Rädern, das man überall dort mit hinnehmen kann, wohin es einen zieht. Neuer Job, neue Liebe, neues Leben – auf geht’s! Aber wie viel Platz braucht ein Mensch eigentlich zum Leben? Ob der ganze Kram, der sich über die Jahre zu Hause angesammelt hat, in so ein Häuschen passt, das in seiner Grundausstattung gerade mal 33 Quadratmeter misst, ist zu bezweifeln, die Reduzierung ein mutiges Experiment. Und eine äußerst persönliche Entscheidung. „Man muss sich fragen, was man für ein gutes Leben braucht und wenn man sich die Frage ehrlich beantwortet, dann findet man auch heraus, wie der Platz dafür ausschauen muss.“ erklärt Theresa. „Wenn Musik mein Lebensinhalt ist, brauche ich vielleicht einen Flügel. Ein anderer kommt mit viel weniger Platz aus.“ Einige Wohnwagon-Besitzer vermieten ihre Tiny Houses, so dass man durchaus einmal zur Probe wohnen kann. Der Gemeinschaftsgedanke nimmt mit dem „Gutensteiner Hof“, den die Genossenschaft gekauft hat, neue Dimensionen an. Das alte Wirtshaus wird renoviert und soll als Dorfzentrum zu einem autarken Vorzeigeprojekt werden. „Es ist ein wunderbares Gefühl zu sehen, wie wichtig eigentlich den Menschen die Gemeinschaft ist und was doch alles geht, wenn man zusammen hält.“

Das Projekt sowie Tipps zum autarken Wohnen und Workshops auf www.wohnwagon.at

Einblicke in die Entstehung des autarken Vorzeigedorfes in Gutenstein: www.dorfschmiede.net

Über den NEW WORK AWARD

Um allen BewerberInnen die Möglichkeit zu geben, sich für den diesjährigen NEW WORK AWARD trotz oder gerade angesichts der bestehenden Herausforderungen zu bewerben, haben wir entschieden die Bewerbungsfrist bis zum 30.06.2020 zu verlängern.

Gleichzeitig entstehen durch die Krise aber auch ganz neue Dimension und Potentiale von New Work. Diese wollen wir jetzt im NEW WORK AWARD verankern und haben ihn deshalb um die Sonderkategorie „NEW WORK CRISIS HERO“ erweitert.

Mehr Infos dazu gibt es hier >>

Über die NWXnow

Spannende Thesen und Meinungen, Ausblicke in die Zukunft der Arbeit und Erfahrungsberichte von Innovatoren, Krisenmanagern und New Work Afficionados gibt es täglich bei der digitalen Formatreihe NWXnow. Wir möchten weiterhin ein Forum für die Diskussion zur Zukunft der Arbeit bieten. Denn wir sind davon überzeugt: Es geht mehr denn je um die Frage, wie wir die Weichen für eine zukünftige Arbeitswelt stellen, in der wir arbeiten wollen. Um Klarheit und Orientierung zu schaffen, sprechen wir dazu regelmäßig mit unterschiedlichten Experten, Vordenkern und Praktikern.

Die NWXnow beinhaltet Videocasts, bei denen Fachleute aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik über den Wandel der Arbeitswelt sprechen, spannende Artikel, Hintergrundinformationen, Interviews, Online-Workshops und Webinare, XING Corona-Hacks und vieles mehr. Die zentrale Fragestellung: Was kommt, was bleibt und was verändert sich?

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Alles zur Zukunft der Arbeit: Auf dieser News-Seite finden alle New Work-Interessierten multimedialen Content rund um das Thema. Neben Experten-Interviews, Debatten, Studien, Tipps und Best Practices, erwarten die Leser auch Video- und Podcastformate. Und natürlich ein Überblick unserer gesamten New Work Events, die mehrmals im Jahr im gesamten deutschsprachigen Raum stattfinden. Weitere spannende Inhalte zum Thema New Work finden Sie auf: nwx.new-work.se
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