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Alles zur Zukunft der Arbeit

Volkswagen-Studie: Diese Veränderungen bringt die Digitalisierung der Arbeitswelt

© Getty Images/NicoElNino

Ob Big Data oder Künstliche Intelligenz: Dass die Digitalisierung die Arbeitswelt umgestaltet, ist sicher. Schon weniger klar ist, welche Veränderungen sie konkret bringen wird. Auch bei Volkswagen, dem umsatzstärksten Autobauer der Welt, stellt man sich diese Frage – und hat mit einer innerbetrieblichen Studie erste Antworten gefunden.

Alle reden von der Digitalisierung, aber was genau wird sich ändern?

Wer an die Digitalisierung in der Automobilwirtschaft denkt, dem kommen vermutlich in erster Linie Bilder hochautomatisierter Maschinen und Roboter in den Fertigungsstraßen in den Sinn. Die Vorstellung vieler: eine Produktionsstätte ohne Menschen, vollvernetzt und durchdigitalisiert. Dabei sind die Tätigkeitsfelder in einem Konzern mit 665.000 Beschäftigten weltweit weitaus vielfältiger. Ein Großteil der Tätigkeiten ist Wissens- oder Büroarbeit, sei es im Personalmanagement, in der Buchhaltung, beim Vertrieb oder Ähnlichem. Auch vor diesen Bereichen macht die Digitalisierung nicht Halt.

Für den Betriebsrat von VW lag daher eine Vermutung nahe: Die größte Veränderung im Zuge der Digitalisierung könnte im Verwaltungsbereich des Unternehmens und nicht in der Produktion stattfinden. Um den weit verbreiteten Sorgen in der Belegschaft vor einem möglichen Jobverlust nachzugehen, aber auch um dem etwas entgegenzusetzen, wurde gemeinsam mit dem Personalvorstand die innerbetriebliche Studie „digital@work“ aufgelegt. Sie sollte einerseits untersuchen, ob und in welchen Bereichen der häufig vorausgesagte Arbeitsplatzwegfall im Zuge der Digitalisierung tatsächlich zu erwarten ist. Andererseits sollte sie ermitteln, wo digitale Technologien positive Effekte für die Mitarbeitenden haben können, etwa indem sie Arbeit erleichtern oder neue Tätigkeitsfelder eröffnen.

Im Interview spricht Dr. Nari Kahle, ehem. Referentin des Betriebsrats und Leiterin soziale Nachhaltigkeit, über das Entstehen der Studie, wie die Beschäftigten einbezogen wurden und welche Erkenntnisse es gab.

Zur Durchführung der Studie holte VW den angesehenen Arbeitsorganisationsforscher Prof. Ayad Al-Ani an Bord. Als Untersuchungsbereich für die Fallstudie wurde das Finanzressort in der Wolfsburger Zentrale ausgewählt.

Die Annahme: Gerade im Controlling und Rechnungswesen findet sich eine Vielzahl digitalisierbarer Tätigkeiten.

In einem ersten Schritt ermittelte das Projektteam die genauen Aufgaben und Arbeitsschritte der Mitarbeitenden. In einem anschließenden Workshop konnten Vertreterinnen und Vertreter der Abteilung ihre Einschätzung dazu abgeben, ob und wie sich die genannten Tätigkeiten durch digitale Technologien wie Big Data, Maschinenlernen, Blockchain, Cloud und Künstliche Intelligenz verändern werden.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Digitalisierung zwar vor allem wiederkehrende Routinetätigkeiten ersetzen kann. Gleichzeitig aber wachsen die Anforderungen, Aufgaben werden komplexer und anspruchsvoller und entwickeln sich weg von repetitiven Tätigkeiten hin zu mehr Beratung und Steuerung. So könnte der „Digitalisierungsgewinn“ auf der einen Seite durch Kompetenzanstieg auf der anderen ausgeglichen werden. Für die Beschäftigten bedeutet das vor allem: Sie müssen bei neuen Technologien mitgenommen und qualifiziert werden. „Wir müssen einerseits gucken, dass wir die Jobs, die durch die Digitalisierung wegfallen, adäquat ersetzen können.

Die andere Seite ist das Thema Weiterqualifizierung. Wir müssen die Mitarbeitenden so mitnehmen, dass sie durch die Digitalisierung nicht überfordert sind und sie die Chance haben, sich ihr Stück für Stück zu nähern“, schlussfolgert Dr. Nari Kahle, ehemalige Referentin des Betriebsrats und Leiterin soziale Nachhaltigkeit bei VW, aus den Studienerkenntnissen.

Für Andreas Glatzer, Leiter Personalstrategie bei VW, ist die Studie vor allem deshalb gelungen, weil man sie auf eine breite Basis gestellt hat: „Wesentlicher Erfolgstreiber war die Mischung der Beteiligten, der internen sowie der externen Kolleginnen und Kollegen“, so Glatzer. „Die Ergebnisse sind auf großes Interesse im Unternehmen gestoßen, weil es die erste innerbetriebliche Studie war. Sie hat aufgezeigt, wie wichtig es ist, die strategische Personalplanung auszubauen, weil sie Themenfelder wie ,Wie wirkt die Digitalisierung in 15 oder 20 Jahren?‘ mit aufgreift.“

Jetzt geht es also darum, die über zwei Jahre erarbeiteten Erkenntnisse in Maßnahmen zu überführen – in Zusammenarbeit von Beschäftigten, Betriebsrat und Personalvorstand. Denkbar ist auch die Durchführung weiterer interner Studien, etwa in der IT oder im Vertrieb. Die Grundlagen dafür sind gelegt.

Warum der Personalvorstand die Studie unterstützt hat, wie das Projektteam vorgegangen ist und welche Faktoren zum Erfolg beigetragen haben, erklärt Andreas Glatzer, Leiter Personalstrategie.

Mehr über „digital@work“ bei der Volkswagen AG erfahren Sie im Unternehmensporträt auf der Plattform der „Lern- und Experimentierräume“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS).

Service-Info: Mit dem Webportal experimentierraeume.de bietet das BMAS eine Plattform, auf der Unternehmen durch inspirierende Beispiele anderer dazu ermutigt werden sollen, neue Wege in Richtung Arbeitswelt der Zukunft zu gehen. In einer regelmäßigen Artikelreihe werden ausgesuchte Beispiele der Experimentierräume im „NWX Portal“ vorgestellt.

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