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Gelszus rmm Marketing Research GmbH

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Gelszus rmm Marketing Research GmbHposted this article6 March 2020
Können Sie sich einer guten Geschichte verschließen? Ich nicht. Eine Geschichte kann mich packen, fesseln, in andere Welten führen - und wenn sie gut ist, bleibt sie hängen. Genau darum geht es uns doch auch in unseren Präsentationen - Erkenntnisse sollen hängen bleiben. Zu dem Thema hat sich Birte ihre eigenen Gedanken gemacht. https://www.gelszus-rmm.de/b/darf-ich-dir-eine-geschichte-erzahlen-

Darf ich Dir eine Geschichte erzählen?

Bilder sagen mehr als ZahlenIm Online-Banking-Portal meines Kreditinstituts hat es vor einiger Zeit eine Neuerung gegeben, die mir auch nach mehreren Wochen nicht so richtig behagen will. Als Kunde wird einem nach dem Anmeldevorgang die Entwicklung des Kontostands über das aktuelle Quartal hinweg monatlich als Liniendiagramm angezeigt – kein sonderlich erhabener Anblick bei einem Konto, dessen Zahlenbestand sich ausschließlich aus einer Ausbildungsvergütung speist. Wie diese Linie bei mir verläuft, kannst Du Dir sicher vorstellen: Ein verschüchterter Aufschwung am Monatsbeginn, nach wenigen Tagen bereits ausgebremst durch die Höhe der Hamburger Mietpreise. Gegen Ende des Monats nimmt die Linie schließlich stets scharf Kurs auf die Null, und zwar in der Manier eines Klippenspringers.Das ist an sich nicht sonderlich überraschend und ich bin an dieses allmonatliche Trauerspiel gewöhnt. Was mich mehr erstaunt hat, ist allerdings die Tatsache, dass ich mich an besagtem Diagramm wesentlich stärker störe als an den wenigen Euro, die mein Konto mir vor seinem Übertritt in die Liniendiagramm-Epoche zum Monatsabschluss angezeigt hat. Woran liegt das? Meine Antwort: Einfach an der Tatsache, dass das Liniendiagramm Informationen zusammenfasst und in einebildhafte Darstellung überführt, d.h., meinem Gehirn eine Geschichte erzählt, die sich alleine aus der Zahl, die zum Monatsabschluss in meinem digitalen Geldstrumpf steckt, nicht ergibt. Die Grafik erzählt mir die Geschichte über meinenLebensstil und wie sich dieser auf meine Finanzlage auswirkt. Meine monetären Ressourcen und deren eifriger Ein- und Ausgang auf meinem Konto sind dabei ein ziemlich guter Anhaltspunkt, denn zumindest auf quantitativer Ebene drücken siedoch sehr gut aus, wie mein Leben aktuell verläuft, wann und wofür ich Geldausgebe. Du bist, was Dein Gehirn draus machtDas wunderbare am menschlichen Gehirn ist, dass es nicht nur für unser Überleben sorgt, dafür, dass wir atmen, Hunger, Durst und Emotionen spüren, sondern auch dafür, dass wir uns für die verschiedensten Themen und Tätigkeiteninteressieren. Wir wollen die Welt, in der wir leben, durchdringen und verstehen und uns selbst darin verorten. Wir sammeln jede Sekunde Informationen über uns und unsere Umwelt, die wir zusammensetzen und aus denen wir uns unserindividuelles (und teilweise sehr subjektives) Weltbild ‚fertigen‘. Neue Fakten verknüpft das Gehirn automatisch mit bereits bekannten Informationen und schreibt auf diese Art die Geschichte unseres Daseins und der Welt, wie wir sie sehen,weiter. Bilder und besonders Grafiken sind dabei mächtige Werkzeuge, denn obwohl z.B. das Liniendiagramm bei mir eher negative Gefühle hervorruft, findet doch eine emotionale Ansprache statt, die sich aus dem Umstand ergibt, dass in der Grafik komplexe Informationen zu meiner Vermögenssituation in einem einzigen Bild komprimiert werden, welches dafür sorgt, dass mir mein finanzielles und soziales Standing nur allzu bewusst wird. Das Gehirn und das Narrativ – eine LiebesgeschichteUnsere aller Gehirne stehen auf Geschichten, wenn man so will. Zahlen empfinden sie eher als lästig oder tun sich zumindest schwerer damit, darin Zusammenhänge und Entwicklungen zu erkennen und noch mehr – diese Zahlen zubehalten. Das Gehirn ächzt unter der Zahlenlast, weil sie sich in komplexerer Form kaum noch vergleichen oder in Zusammenhänge einordnen lässt. Simpel ausgedrückt: Die Konfrontation mit nackten Zahlen versetzt das Gehirn in einenErmüdungszustand, denn die Ziffern als solche sagen ihm nichts. Damit uns etwas im Gedächtnis bleibt, müssen nämlich verschiedene Faktoren zusammenwirken: Das Dargestellte muss in einen zusammenhängenden Kontext eingebettet sein, essollte uns einen Erkenntnisgewinn bieten und am besten noch emotional ansprechen. Zahlen tun das, mit Verlaub, eher weniger.Warum das Gehirn so auf gute Erzählungen fliegt? Weil seine synaptischen Verbindungen über Assoziationsketten funktionieren. In unserem Kopf sind abertausende von Themenclustern angelegt, deren jeweiliger Inhalt miteinanderagiert und ständig neu geordnet und verbunden wird, wenn weitere Informationen hinzukommen. Spricht ein sinnlicher Reiz, gleich welcher Art, einen Bestandteil eines solchen Themenfeldes an, werden gleichzeitig die anderen mit ihmverbundenen Wissens- und Erinnerungsbestände aktiviert und zugänglich. Die Folge: Wir können früher Gelerntes und Erfahrenes abrufen, das mit dem momentanen Gegenstand unseres Interesses verbunden ist. Für die Neurowissenschaft sind das Gehirn und seine Funktionsweise z.T. immer noch ein Rätsel, aber in den bis hier angeführten Punkten sind sich die Wissenschaftler weitestgehend einig. Storytelling in der Marktforschung auf SiegeskursAll das sind grundlegend allerdings eher ungünstige Voraussetzungen für Marktforschung, die hauptsächlich mit den dem Gehirn unangenehmen Zahlen arbeitet. Eine Erkenntnis, die jeden Marktforscher ernüchtern dürfte, wenn wiran die unzähligen Ergebnisberichte denken, die täglich Deutschlands Marktforschungsinstitute verlassen. Verpuffen die Ergebnisse aus mit hohem Organisations- und Kostenaufwand umgesetzten Studien beim Kunden nach derZur-Kenntnisnahme etwa im Nichts, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen? Prinzipiell natürlich nicht, denn die Marktforschung nutzt zur Darstellung ihrer Ergebnisse Grafiken, die, wie das Beispiel meines Kontos gezeigt hat, immerhin schon einmal die abstrakten erhobenen Zahlenwerte in eine visuelle Darstellung überführen und Inhalte greifbarer und verständlicher machen.Außerdem wächst in den letzten Jahren und im Angesicht der zunehmenden Konkurrenz durch Big Data in der Branche rasant das Bewusstsein darüber, dass Kunden nicht mit Zahlenkolonnen und hunderten Grafiken bombardiert werdenmöchten, sondern die Deutungskompetenz eines Marktforschers speziell darin bestehen sollte, die Ergebnisse korrekt zu interpretieren und möglichstanschaulich, nachvollziehbar und komprimiert darzustellen und vor allem Schlussfolgerungen daraus abzuleiten. Zahlen wiedergeben und Dashboards benutzen kann jeder, zur Not auch der Mitarbeiter im Vertrieb, aber konkrete Ratschläge an die Hand reichen, wie die Ergebnisse einer Studie einzuordnen sind und welche Empfehlungen sich daraus z.B. für die neue Vertriebsstrategie ableiten lassen – das kann nur der Marktforscher. Mittlerweile sind bei der Aussprache von Handlungsempfehlungen z.T. sogar ein gewisser Entertainmentfaktor und die Nutzung verschiedenster Medien gern gesehen, wie beispielsweise der Einsatz von Videos und Animationen. Aber dies hängt natürlich stark vom jeweiligen Kunden und der Branche ab und das konventionelle Reporting ist noch längst kein alter Hut. Marktforschung muss dem Gehirn Kontexte schaffenDie Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft legen jedoch nahe, dass auch hübsche Grafiken und Handlungsempfehlungen alleine nicht ausreichen, um die Ergebnisse einer Marktforschungsstudie dauerhaft im Gedächtnis des Kunden zu verankern. Dabei sind markante Präsentationen, die dem Kunden noch lange in Erinnerung bleiben, für Marktforschungsinstitute heute ein zentrales Instrument der Kundenbindung. Denn vielleicht ahnst Du bereits, was geschieht, wenn einer Präsentation oder einem Bericht die Story fehlt – richtig, die dargestellten Ergebnisse bleiben isoliert und unverknüpft und bieten dem Gehirn damit keinerlei Chance, das Aufgenommene mit bereits bestehenden Gedächtnisinhalten zu verbinden und in diese zu überführen.Wenn Du Dich am Tag nach einer Ergebnispräsentation an nicht mehr als noch das schöne Deckblatt erinnern kannst, dann ist das ein ziemlich eindeutiges Zeichen dafür, dass dieser Bericht keine Geschichte erzählt hat, sondern überwiegend aus für sich stehenden Grafiken und Texten bestand. Die enthielten für sich zwar sicherlich auch wichtige Erkenntnisse, aber was nützt das, wenn ihnen der Zusammenhang fehlt und Du alle Inhalte nur aus diesem Grund wieder vergisst? Natürlich bietet der monatliche Bericht zu einem Werbetracking nicht den Nervenkitzel eines Kriminalromans – und das soll er auch gar nicht –, aber um Präsentationen für den Kunden nachhaltig zu gestalten, darf ein wenig literarischer Anspruch ruhig in die Bemühungen gemischt werden. Als Marktforscher wollen wir nicht nur Zahlen wiedergeben, sondern wie ein guter Schriftsteller eine zusammenhängende Geschichte um bekannte Fakten herum ‚bauen‘. Oft hilft es schon, wenn man sich vor der Berichtlegung fragt, wie man die Ergebnisse einem Freund oder Bekannten erklären würde, der mit der Marktforschung gar keine Berührungspunkte hat. Was wäre für diesen das markante zentrale Ergebnis der Studie? Berücksichtigt man alleine diese Frage, lesen sich auch die Ergebnisse eines Werbetrackings angenehm.Der zentrale Punkt ist nämlich: Marktforschungsreportings enthalten i.d.R. neue und z.T. sehr abstrakte Erkenntnisse und – wir erinnern uns – die dem Gehirn so verhassten Zahlen. In der Marktforschung haben wir also nicht immer die Möglichkeit, beim Aufnehmen von Ergebnissen auf bereits bestehende Gedächtnisbestände zurückgreifen zu können. Die Erkenntnisse einer Studie müssen deshalb in einen aktiv erschaffenen Kontext eingebettet werden, der es unserem Gehirn erlaubt, die neuen Inhalte als Teil eines zusammenhängenden Themenclusters in unser Gedächtnis zu überführen. Deshalb ist Storytelling in der Marktforschung so wichtig, denn nur eine gute Geschichte vergessen wir nicht mehr. Vier zentrale Fragen als Grundlage des Storytellings An sich ist gute Berichterstattung gar nicht so schwer – man muss sich nur stets bewusst machen, wie das menschliche Gehirn Inhalte verarbeitet und sich beim Reporting ständig vier Fragen stellen: 1.) Welche Erkenntnisse kann ich aus den Daten ziehen, was sind auffällige Messwerte? 2.) Welche Ergebnisse beantworten die Fragestellung(en) des Kunden und werden der Art des Projekts gerecht? 3.) Welche Zusammenhänge bestehen zwischen den unterschiedlichen Erkenntnissen, was sind Ursachen, was Wirkungen? 4.) Welche Geschichte ergibt sich aus all diesen Elementen, die sich mit entsprechenden Grafiken und Zitaten belegen lässt? Werden diese vier Schritte im Arbeitsprozess berücksichtigt, vermeidet man effektiv die Gefahr, unzusammenhängend oder zu detailliert und kleinteilig zu berichten. Denn was man immer bedenken muss: Der Kunde, der am Ende des Tages den Bericht in den Händen hält, steckt schon alleine in statistischer Hinsicht oftmals nicht so tief im Thema wie der Marktforscher selbst. Was diesem logisch und selbstverständlich erscheint, muss es für den Kunden noch lange nicht sein.Den Menschen stets im BlickWie in so vielen Bereichen der Marktforschung ist es auch bei der Aufbereitung von Ergebnispräsentationen essentiell zu wissen, wie ihr Empfänger – der Mensch mit seinen Sinnen – ‚funktioniert‘. Dieser Gedanke verschwindet schnell und leichter als man denkt hinter den unzähligen Zahlen, Statistiken und Methoden, mit denen man im Beruf täglich jongliert.Wenn ich Dir jetzt übrigens erzähle, dass die US-amerikanischen Firma Mars Incorporated, die u.a. den Schokoriegel Snickers vertreibt, 2017 einen Umsatz von 35. Mrd. US-Dollar erzielt hat und der Riegel Snickers nach dem Lieblingsfamilienpferd von Frank Mars und seiner Ehefrau Ethel benannt wurde – an welche dieser beiden Informationen, glaubst Du, wirst Du Dich nächste Woche noch erinnern können?https://www.gelszus-rmm.de/b/darf-ich-dir-eine-geschichte-erzahlen-
Darf ich Dir eine Geschichte erzählen?
Gelszus rmm Marketing Research GmbH
Gelszus rmm Marketing Research GmbHposted this article5 February 2020
Der nächste Blog Artikel ist da! :) Diesmal geht es um die FAMS-Ausbildung - und um die Wahrnehmung bzw. Nicht-Wahrnehmung dieser. Ist bedenkenswert und sollte uns alle dazu führen, gemeinsam als Mafo-Branche zu überlegen wie wir die FAMS-Ausbildung bekannter und akzeptierter machen können. https://www.gelszus-rmm.de/b/liebe-fams-ausbildung-wie-geht-es-dir-2020-ein-resumee

Liebe FAMS-Ausbildung, wie geht es dir 2020? Ein Resümee.

Ein kleiner Hinweis vorab: Die anknüpfenden Erkenntnisse sind nicht das Ergebnis einer investigativen oder ausufernden Recherche, sondern vielmehr ein z.T. sicherlich subjektiver Eindruck, der sich für mich u.a. aus dem Gespräch mit Kollegen, einer ehemaligen FAMS etc. ergeben hat.Sehr gute Beschäftigungschancen und individuelle WeiterbildungsmöglichkeitenWie steht es Anfang 2020 um die FAMS-Ausbildung, mehr als 13 Jahre nach ihrer Einführung in den deutschen Ausbildungsmarkt und die Marktforschungsbranche? Auf den ersten Blick recht gut, wie eine Studie der Abschlussklasse der Stauffenbergschule in Frankfurt Mitte 2019 zeigte. 74 Prozent der ca. 200 befragten ehemaligen Azubis würden die Ausbildung weiterempfehlen, 60 Prozent wurden von ihren Ausbildungsbetrieben in ein anschließendes festes Beschäftigungsverhältnis übernommen und der Anteil derjenigen, die nach wie vor in der Markt- oder Sozialforschung tätig sind, liegt bei rund 100 Prozent.*Diese positiven Zahlen lesen sich erst einmal vielversprechend, sind aber auch nicht unbedingt verwunderlich, denn die Ausbildung ist inhaltlich sehr abwechslungsreich und bietet den Absolven-ten nach ihrem Abschluss mannigfaltige Möglichkeiten, sich entsprechend ihrer individuellen Inte-ressen und Stärken zu entwickeln und zu qualifizieren. Du hast Sehnsucht nach nackten Zahlen, hegst eine brennende Leidenschaft für Statistik und der Anblick eines SPSS-Outputs oder von Ta-bellenbändern lässt Dein Herz höher schlagen? Dann führt Dein Weg mit hoher Wahrscheinlichkeit in die quantitative Forschung. Reine Statistik ist für Dich eher ein notwendiges Übel, Du bevorzugst den direkten Kontakt zu Menschen und neue Methoden für Gruppendiskussionen und Reporting können Dir gar nicht kreativ genug sein? Dann bist Du sicher der geborene qualitative Forscher oder würdest Dich in einem Teststudio wie zu Hause fühlen.Neben der praktischen Laufbahn besteht nach der Ausbildung auch immer noch die Option, einen akademischen Weg einzuschlagen. Vielleicht möchtest Du in Zukunft Fragebögen programmieren und strebst daher ein Informatikstudium an? Oder du willst Dich vollkommen auf die Sozialfor-schung konzentrieren und möchtest dein Fachwissen durch ein sozialwissenschaftliches Studium vertiefen? Das alles ist möglich – natürlich auch vor der Ausbildung.Geringe Bekanntheit und Imageprobleme sorgen für NachwuchsmangelDer angesprochenen Vielfalt entgegen steht der zunächst erstaunlich erscheinende Umstand, dass es nach wie vor wenig bis kaum Bewerber auf ausgeschriebene Ausbildungsstellen gibt und die Ausbildungsleiter an den wenigen Berufsschulen, die die FAMS-Ausbildung in Deutschland anbie-ten, sorgenvoll die Stirn über ihre Klassengrößen runzeln. Absolventen müssen sich bei Instituten mittlerweile zwar nicht mehr mit Sternchen im Lebenslauf bewerben, die in einer Fußnote erklä-ren, was ein / eine FAMS überhaupt ist, aber in der betrieblichen Marktforschung ist die Ausbildung nach wie vor noch nicht richtig angekommen, wie z.B. über die vergangenen Jahre hinweg immer wieder auf den einschlägigen Kommunikationskanälen der Branche berichtet wurde. Der Ausbil-dungsberuf krankt nach wie vor an seiner mangelnden Bekanntheit. Oder ist er im Vergleich zu anderen Ausbildungen einfach weniger beliebt?Natürlich geht der seit einigen Jahren anhaltende und immer noch zunehmende Run auf Studien-plätze auch an der FAMS-Ausbildung nicht spurlos vorüber. Sie ist genauso vom Fachkräftemangel betroffen wie andere Handwerksberufe, wenngleich die Marktforschungsbranche natürlich in der unvergleichbar privilegierteren Position ist, diesen Mangel problemlos mit Uniabsolventen kom-pensieren zu können. Studieren ist in – eine Ausbildung zu machen, eher weniger.Diese aktuelle gesellschaftliche Tendenz ist eines der grundlegenden Probleme, das in unmittelba-rem Zusammenhang mit der FAMS-Ausbildung steht, doch es kommt ein zweites hinzu, denn wer sich aus der klaren Minderheit der ausbildungswilligen jungen Männer und Frauen heraus für eine Ausbildung entscheidet, stößt in der Regel selten bis nie zuerst auf einen Nischenberuf. Und das ist der Beruf Marktforscher – zumindest gefühlt – generell, denn obwohl der Job vielen Menschen ihr täglich Brot sichert, arbeitet ein Marktforscher i.d.R. komplett unterhalb des Wahrnehmungsradars eines Großteils der Bevölkerung. Markt- und Sozialforschung findet im Hintergrund statt und ob-gleich sich auf ihre Ergebnisse viele Entscheidungen stützen – wenn die Branche doch einmal in den öffentlichen Fokus rückt, dann aufgrund von Skandalen oder allgemeiner Unbeliebtheit. Kurzum: Der Job ist unbekannt und hat ein schlechtes Image. Das zieht junge Menschen nicht unbedingt an. Potenzielle FAMS schon gar nicht.Alle Wege führen nach Rom – aber nur verschlungene Pfade in die MarktforschungEs ist deshalb nicht verwunderlich, dass man in der FAMS-Ausbildung eher über Umwege und Zu-fälle landet. Auch in unserem Jahrgang stand bei den Wenigsten am Anfang die konkrete und be-wusst selbst getroffene Entscheidung: Ich mache eine FAMS-Ausbildung. Dass wir seit 2018 alle gemeinsam an der bmk Hamburg die ‚Schulbank drücken‘, ist den Anstößen von Vorgesetzten im (fachfremden) Praktikum, einem begonnen Studium oder wenigen sehr gut informierten Berufs-beratern der Agentur für Arbeit zu verdanken.Die Marktforschungsbranche zeichnet sich insgesamt durch ihren hohen Anteil an Quereinsteigern aus. Streng genommen könnte man vielleicht sogar die meisten Marktforscher als solche bezeich-nen, denn fachspezifische Studiengänge, wie z.B. der neue Bachelor in BW / Marktforschung und Konsumentenpsychologie, den die Hochschule Pforzheim anbietet, sind extrem rar gesät und ein in der Marktforschungsbranche (noch) eher untypischer universitärer Hintergrund. Die meisten Aka-demiker, die den Beruf ausüben, haben ein sozial- oder wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen, mussten sich die beruflichen Inhalte – abgesehen von den statistischen Kenntnis-sen, die vor allem ein sozialwissenschaftliches Studium vermittelt – jedoch durch Praktika und / oder Training-on-the-Job aneignen.Hoher Praxisbezug als größter Vorteil der AusbildungIn Hinblick auf den Praxisbezug vereint die FAMS-Ausbildung gleich zwei Vorteile, durch die sich Auszubildende von den Uniabsolventen abheben können: Zum einen sind FAMS durch den hohen Praxisanteil in der Ausbildung bereits mit Institutsstrukturen und Projektabläufen vertraut, zum anderen vermittelt die Ausbildung ein breites Grundlagenwissen, sowohl in Statistik und BWL als auch in fachspezifischen Methoden. Was ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist: Durch den Umstand, dass die Ausbildung inhaltlich recht anspruchsvoll ist und viele Auszubildende erst spät auf den Ausbildungsberuf stoßen, bewegen sich nicht wenige FAMS bereits jenseits der Volljährigkeit und verfügen neben dem Abitur hin und wieder sogar über erste Berufserfahrung in anderen Branchen oder haben einige (oder viele) Se-mester an der Uni studiert. Institute und Unternehmen, die FAMS ausbilden, wissen diese Vorzüge oftmals zu schätzen und wertschätzen die in der Ausbildung erworbene hohe Fachkompetenz.Woran liegt es also – neben dem bereits angesprochenen Imageproblem der Marktforschungs-branche allgemein –, dass sich nur so wenige junge Menschen für diesen Ausbildungsberuf begeis-tern (lassen) und, was schwerer wiegt, dass sich mancher / manche FAMS mit seiner / ihrer Positi-on in der Branche unwohl bzw. nicht anerkannt fühlt?FAMS und Uniabsolventen bedienen unterschiedliche KompetenzfelderSchenkt man aktuellen und ehemaligen FAMS ein sensibles Ohr, werden einige leise Stimmen laut, die flüstern, dass einen großen Nachteil der Ausbildung eben genau das angesprochene ständige Konkurrenzverhältnis zu den akademischen Mitbewerbern und Kollegen bildet. Objektiv betrach-tet sind FAMS fachlich ebenso gut – vielleicht sogar besser im Sinne von berufsbezogener – ausge-bildet wie ein Absolvent eines sozialwissenschaftlichen Studiengangs, aber der sehr hohe Quali-tätsanspruch in der Marktforschungsbranche und eine Gesellschaft, in der ein abgeschlossenes Studium gerne als höherwertig betrachtet wird als eine Ausbildung, führen in manchen Instituten und Unternehmen zu einer (gefühlten) Statusdiskrepanz zwischen den FAMS und ihren akademi-schen Kollegen.Natürlich wird an einer Uni anders gearbeitet als in einem Betrieb und anders gelehrt als an einer Berufsschule. Ein Studium erfordert andere Kompetenzen, als dies eine Ausbildung tut. Man arbei-tet theoretischer, selbstständiger und wissenschaftlicher und muss den Transfer von Wissen in die Praxis im Nachgang des Studiums eigenständig leisten, während eine Ausbildung neben grundle-gendem Fachwissen vor allem den letztgenannten Schritt vermitteln soll. Daraus ergibt sich jedoch keine natürliche Hierarchie der beiden Lernwege, sondern dies führt in der Marktforschung zu zwei unterschiedlichen Betätigungs- und Kompetenzfeldern, die jeweils durch den FAMS-Beruf oder ein Studium bedient werden.Während ein / eine FAMS besonders über Fähigkeiten im Bereich der Planung, Organisation und Durchführung von Projekten verfügt, obliegen die beratenden und analytischen Projektschritte oftmals studierten Marktforschern (was nicht bedeuten soll, dass man als FAMS in diese Position mit zunehmender Berufserfahrung nicht hineinwachsen kann). Doch gerade jungen Universitäts-absolventen fehlt in der ersten Zeit im Beruf häufig die praktische Erfahrung, wenn es darum geht, Markt- und Sozialforschungsprojekte forschungsökonomisch umzusetzen. Ein Bürokaufmann / eine Bürokauffrau kann diese Lücke kaum schließen, da es ihm / ihr in diesem hochspezifischen Tätigkeitsfeld an Fachwissen mangelt.FAMS – geschätzte Fachkraft oder gefühlter ‚Lückenfüller‘?Genau diesen Mangel sah u.a. auch der BVM, als er 2006 die FAMS-Ausbildung mit ins Leben rief. Auf der Website heißt es dort: „Die Abgrenzung zur akademischen Ausbildung ist dort zu ziehen, wo es um Beratungskompetenz, Konzeption und Analyse von Untersuchungen geht, während der Schwerpunkt von FAMS in der Durchführung, Umsetzung und Organisation liegt.“ Und genau dort, an besagter Abgrenzungslinie, konzentriert sich vielleicht auch die grundlegende Problematik, die sich automatisch mit dem Versuch ergibt, eine ‚normale‘ Ausbildung in ein ansonsten sehr akade-misch geprägtes Berufsumfeld zu integrieren: Die ständige Konfrontation ausgebildeter FAMS oh-ne akademischen Hintergrund mit dem Umstand, dass sie eben keinen Studienabschluss vorwei-sen können – was sich nicht zuletzt auch im Gehalt niederschlägt.Natürlich lässt sich diese Feststellung nicht verallgemeinern und viele FAMS sind sehr zufrieden mit ihrem beruflichen Umfeld sowie umgekehrt auch die Institute und Unternehmen mit ihren FAMS. Aber gerade für (Ausbildungs)Absolventen, deren Arbeitgeber Institute oder Unternehmen sind, die Wert auf ein akademisches Image legen, ist die Realität, der sie als FAMS täglich ins Auge bli-cken müssen, eine harte. Das Gefühl, als ‚Lückenfüller‘ zwischen Kunde und studiertem Marktfor-scher zu fungieren, verschwindet nie vollkommen.Die inhaltlich spannende und abwechslungsreiche Ausbildung, die den Azubis die Möglichkeit bie-tet, vollkommen ohne Studium in einen Beruf hineinzugelangen, der bis 2006 i.d.R. ausschließlich über ein Universitätsstudium zugänglich war, leidet aktuell nicht nur unter ihrem generellen Ni-schenimage und folglich ausbleibenden Bewerbern, sondern es mangelt speziell auch an Ansehen und besonders Rückhalt in der Marktforschungsbranche selbst. Auch unter diesem Aspekt wäre es wichtig, vermehrt Unternehmen als Ausbildungsbetriebe anzusprechen, denn mit einem insge-samt (vermutlich) geringeren Anteil an Akademikern und einer bunteren Mischung an Berufsbil-dern würde sich mancher / manche FAMS ohne Studium dort sicherlich eher wertgeschätzt fühlen.Für das Überleben der FAMS-Ausbildung ist es auf jeden Fall essentiell, die Marktforschungsbran-che zukünftig auch für nicht-akademische Berufsanwärter weiter zu öffnen, denn die Ausbildungs-absolventen zeigen, dass dies keinen Qualitätsverlust bedeuten muss – ganz im Gegenteil. Je mehr Vielfalt in der Branche geschaffen wird, desto ausdifferenzierter gestalten sich die Möglichkeiten für Institute, Unternehmen und Studios, geeignetes Personal zu finden. Auch branchenintern muss Rückhalt geschaffen werdenLetztendlich geht es nicht nur darum, lediglich die FAMS-Ausbildung auf dem Ausbildungsmarkt bekannter zu machen und sicherzustellen, dass potenzielle Ausbildungsbetriebe um die Existenz der FAMS wissen. Es muss auch das Ziel sein, die Marktforschungsbranche für die Fähigkeiten der FAMS zu sensibilisieren und branchenintern eine Akzeptanzgrundlage für diesen neuen Berufspfad zu schaffen. Ein erster Schritt könnte z.B. sein, auch die FAMS in der nächsten Gehaltsstudie von marktforschung.de zu berücksichtigen, um damit überhaupt erst einmal zu zeigen, dass der Beruf von der gesamten Branche wahr- und ernstgenommen wird – und nicht nur von den ausbildenden Betrieben und den Berufsverbänden, die mit der neuen Ausschreibung FAMStastisch einen weite-ren Anstoß für eine positive Entwicklung schaffen. Denn für eine Branche einen solch spezialisier-ten Ausbildungsberuf wie den des / der FAMS beanspruchen zu können, ist ein wichtiger Faktor, um auch in Zukunft das hohe Qualitätsniveau der Markt- und Sozialforschung aufrecht zu erhalten.*Quelle der Studienergebnisse:https://www.horizont.net/planung-analyse/nachricht...https://www.gelszus-rmm.de/b/liebe-fams-ausbildung-wie-geht-es-dir-2020-ein-resumee
Liebe FAMS-Ausbildung, wie geht es dir 2020? Ein Resümee.

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