5 Alternativen zur klassischen Bewerbung

Wenn schriftliche Bewerbungen nicht mehr funktionieren, können der verdeckte Stellenmarkt und berufliches (auch digitales) Netzwerken helfen.

„200 Bewerbungen. Drei Vorstellungsgespräche. Kein Job.“ So viele wie bei Volker müssen es noch nicht mal sein. Er hatte tatsächlich 200 geschrieben. Aber auch 50 bis 100 Bewerbungen können schon ganz schön frustrieren.

Solche Geschichten höre ich derzeit regelmäßig aus unseren Beratungsgesprächen. Meistens liegt es nicht daran, dass die Menschen unqualifiziert wären. Oft sind es erfahrene Fach- und Führungskräfte mit guten Lebensläufen, relevanter Berufserfahrung und soliden Bewerbungsunterlagen. Alternativ gern auch akademische Juniors im Berufseinstieg mit zig Bewerbungen.

Das größte Problem, was ich sehe, ist häufig ein anderes: Viele Menschen setzen bei ihrer Jobsuche auf genau diesen einen Weg. Sie schreiben Bewerbung um Bewerbung, KI-optimiert und ATS-kompatibel und warten auf eine Rückmeldung.
Dabei hat sich der Arbeitsmarkt verändert. Die klassische Bewerbung funktioniert bisweilen zwar noch, aber oft nicht mehr allein.

In unseren Beratungen für Weiterbildung erleben wir immer wieder, dass Bewegung in die Jobsuche kommt, wenn Bewerber:innen zusätzliche Wege nutzen, gewissermaßen #Risikostreuung betreiben. Die 5 wichtigsten Alternativen zur klassischen Bewerbung hab ich dir hier mal aufgeschrieben:

5 Alternativen zur klassischen Bewerbung

Alternative 1: Hör auf, dich zu bewerben!

Hör auf, dich zu bewerben? Das klingt natürlich radikal und für manche völlig unverständlich. Aber wenn 200 Bewerbungen nicht funktioniert haben, hilft es manchmal, bewusst innezuhalten. Nicht aufzugeben, aber den Fokus zu verändern. Viele Menschen jagen irgendwann nur noch Stellenanzeigen hinterher. Jede neue Ausschreibung erzeugt kurzfristig Hoffnung – und kurze Zeit später möglicherweise die nächste Enttäuschung.

Manchmal hilft es deshalb, einen Schritt zurückzutreten und sich stärker mit dem verdeckten Stellenmarkt zu beschäftigen. Ein erheblicher Teil interessanter Jobs wird gar nicht öffentlich ausgeschrieben oder erst sehr spät. Viele Stellen entstehen über Empfehlungen, Gespräche, Kontakte oder spontane Bedarfe. Das ist der verdeckte Stellenmarkt. Das bedeutet: Nicht jede Jobsuche beginnt mit einer Stellenanzeige. Und genau dort entstehen oft neue Möglichkeiten.

Alternative 2: Hol dir Hilfe!

Ganz gleich, ob Berufseinsteiger*in, High Professional oder Führungskraft: Niemand hat Jobsuche wirklich professionell gelernt. Und weil der Arbeitsmarkt komplizierter geworden ist und so viele Fallen und Unwägbarkeiten lauern, kann es lohnen, sich professionelle Unterstützung zu holen. Das kann ein Karriere-Coaching sein, eine Beratung bei der Arbeitsagentur oder Gespräche mit erfahrenen Menschen aus dem eigenen Umfeld – aber eben auch das professionelle Umfeld einer beruflichen Weiterbildung.

Ich erlebe regelmäßig, dass Menschen schon nach einem einzigen intensiven Beratungsgespräch bei uns plötzlich ganz neue Perspektiven auf ihre bisherige Bewerbungsstrategie entwickeln. Manchmal reicht schon eine andere Sichtweise auf den eigenen Lebenslauf, die Zielposition oder die eigene berufliche Geschichte.

Gerade wenn du zwischen zwei Jobs bist, können sowohl Coaching als auch Weiterbildung über die Agentur für Arbeit zu 100 Prozent gefördert werden. Viele wissen das gar nicht, aber könnten dies für sich nutzen.

Alternative 3: Prüfe deine Positionierung

Das Innehalten hilft auch bei einer wichtigen Frage: Wo willst du eigentlich wirklich hin?

Häufig werden Bewerbungen sehr breit gestreut verschickt. Ein bisschen hier, ein bisschen dort, Hauptsache irgendwie wieder in Arbeit. Das ist menschlich nachvollziehbar, führt aber oft dazu, dass Bewerbungen diffus wirken und nicht wirklich auf die ausgeschriebenen Stellen passen.

Deshalb lohnt sich ehrliche Selbstreflexion:

  • Was kann ich wirklich gut? 

  • Welche Aufgaben und Tätigkeiten passen tatsächlich zu mir? 

  • Welche Arbeitsumfelder wünsche ich mir künftig und welche nicht mehr? 

  • Würde ich mich selbst für genau diese Stelle einstellen?

Positionierung bedeutet nicht, sich künstlich zu verbiegen oder zu „verkaufen“, sondern Klarheit zu entwickeln. Und genau diese Klarheit spüren später auch Arbeitgeber*innen. Manchmal reichen dafür schon wenige intensive Stunden der Reflexion. Systematischer geht es beispielsweise mit Instrumenten wie dem Talentkompass NRW oder mit professioneller Begleitung durch Coaching und Beratung.

Alternative 4: Notfallnetzwerken

Ehrlich gesagt hatte ich mein berufliches Netzwerk damals selbst nicht besonders gut gepflegt. Das geht übrigens vielen Menschen so. Und plötzlich merkst du in der Jobsuche: Die wenigen Kontakte arbeiten vielleicht noch in der alten Branche. Oder sie sind selbst unsicher. Oder man hat jahrelang kaum berufliche Netzwerke aktiv genutzt.

Dann braucht es manchmal so etwas wie „Notfallnetzwerken“. Und das funktioniert tatsächlich. Innerhalb weniger Wochen oder Monate lässt sich – sogar aus dem Homeoffice (!) – ein komplett neues berufliches Netzwerk aufbauen, besonders auch mithilfe von Businessnetzwerken. XING bietet dir einen doppelten Vorteil: Während du nach passenden Stellenanzeigen suchst, siehst du zusätzlich Kontaktvorschläge und Menschen, die in ähnlichen Jobs arbeiten – ich nenne das gerne „Big Data für Bewerber*innen“.

Dazu gehört:

  • Systematische Recherche nach Menschen mit deinen Keywords,

  • Finden interessanter Menschen und schauen, wo sie arbeiten,

  • Recherchieren spannender Unternehmen und deren Mitarbeiter*innen scannen,

  • Vernetzen, Kontakte aufbauen, Ausschau nach „alten“ Bekannten halten,

  • Als Kür: Selbst sichtbar werden, Beiträge kommentieren usw.

Notfallnetzwerken ist sehr mächtig, denn plötzlich bekommst du viel mehr Informationen über Unternehmen, Branchen, Ansprechpartner*innen und Entwicklungen als nur über Stellenanzeigen.

Alternative 5: Systematisch Kaffeetrinken

Systematisch Kaffeetrinken ist gewissermaßen die Königsdisziplin der Alternativen zur klassischen Bewerbung. Du führst „einfach“ Gespräche im verdeckten Stellenmarkt:

  • mit Menschen, die dort arbeiten, wo du hinwillst,

  • mit Personen, die interessante berufliche Perspektiven haben oder

  • einfach mit netten Menschen aus alten Zeiten, die wiederum andere Menschen kennen.

Und genau das nenne ich: #SystematischKaffeetrinken. Das kann ganz klassisch bei einem echten Kaffee passieren oder virtuell per Teams oder Zoom. Entscheidend ist nicht das Getränk, sondern das Gespräch. Oft entwickelt sich daraus zunächst nur ein guter Kontakt, vielleicht ein Hinweis, vielleicht eine Idee. Manchmal folgt darauf aber auch eine Empfehlung und manchmal sogar ein neuer Job.

Manchmal führt eben nicht die x-hundertste Bewerbung zum Ziel, sondern das eine Gespräch beim Kaffee – #SystematischKaffeetrinken. Oder der Kontakt, den man eigentlich gar nicht um einen Job bitten wollte.

Deshalb meine Erkenntnis: Wer nur Bewerbungen schreibt, nutzt oft leider nur einen kleinen Teil seiner Möglichkeiten. Risikostreuung ist nicht nur wirksamer, sondern oft auch zufriedenstellender.

⁉️ Welche Erfahrung hast du gemacht? Kam dein letzter Job über eine klassische Bewerbung zustande oder über einen anderen Weg?

Lars Hahn schreibt über Weiterbildung, Digitalisierung, Arbeitsmarkt

Als Trendschnüffler, Karriereberater und Leiter der LVQ Weiterbildung gGmbH schreibe ich über die Veränderung unserer Arbeitswelt durch die Digitalisierung und darüber, wie Sie sich per Weiterbildung und andere Wege fit für Ihre berufliche Zukunft machen.

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