„Der Liberalismus ist wie ein Garten …“
Ralf Fücks ist einer der Gründer und Direktor des Zentrums Liberale Moderne in Berlin, einem Think-Tank und Diskussionsforum zur Erneuerung der liberalen Demokratie. Den Liberalismus vergleicht er mit einem Garten. Freiheit sei - nach dem polnischen Soziologen Jerzy Szacki - eine „zarte Pflanze“.
Der Liberalismus ist wie ein Garten über Jahrhunderte gewachsen, in dem eine Vielzahl von Gärtnern wie John Locke, Immanuel Kant, John Stuart Mill, Adam Smith, Friedrich von Hayek, Isaiah Berlin, Hannah Arendt, Karl Popper, Walter Eucken, Judith Shklar ihre Pflänzchen pfleg(t)en. Der große Garten ist immer wieder äußeren Bedrohungen ausgesetzt – vor allem in instabilen und krisenhaften Zeiten. Für Ralf Fücks gehört die Verteidigung und Erneuerung der liberalen Demokratie zu seiner zentralen politischen Lebensaufgabe. Der Grünen-Politiker, Publizist und ehemalige Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung warnt davor, dass die westliche Demokratie von außen durch autoritäre Regime und von innen durch ökonomische Krisen und systemische Trägheit massiv unter Druck steht.
Eine liberale Demokratie kann nicht nur tolerant, transparent, verantwortungsvoll und inklusiv sein und die individuellen Freiheiten schützen. Sie muss auch in der Lage sein, Probleme effektiv zu lösen, denn ansonsten entscheiden sich die Menschen für andere Regierungsformen, auch wenn diese letztlich illusorisch sind.“Ralf Fücks
Im Sammelband „Ende des liberalen Zeitalters?“, herausgegeben von Ralf Fücks, Jarosław Kuisz und Karolina Wigura, sind 15 Texte internationaler Autorinnen und Autoren vereint, die Herausforderungen und Probleme der Gegenwart benennen und ihre Dynamiken erklären. Das Buch versteht sich als selbstkritische Reflexion und Transformationsanalyse des modernen Liberalismus. Zu den Ursachen und Phänomenen der antiliberalen Gegenbewegung gehören nach Fücks:
die Destabilisierung westlicher Demokratien durch globale Mächte wie Russland und China
das Entstehen hybrider Regime, die demokratische und autoritäre Elemente verbinden
der Aufstieg nationalistischer und populistische Parteien, die in Europa und weltweit an Einfluss gewinnen
die Figur des „starken Mannes“
der destruktive Einfluss sozialer Medien (das Fluten der Massenkommunikation mit ungefilterter Desinformation, Verschwörungstheorien und verbaler Aggression)
die Erosion der internationalen Ordnung.
Die Antwort darauf sollte nach Fücks mehr Liberalismus sein, der Freiheit und Sicherheit verbindet.
Das Buch:
Ralf Fücks / Jarosław Kuisz / Karolina Wigura (Hg.): Ende des liberalen Zeitalters?. Krise und Erneuerung der freiheitlichen Demokratie. Transcript Verlag. Bielefeld 2026.
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