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Ein Leben in Zitaten

„Das Buch meines Lebens haben Klügere geschrieben“ ist eine Sammlung von Zitaten – zum Teil in faksimilierter Form – aus einem jahrzehntelang geführten persönlichen Notizbuch, das der Filmproduzent und Fernsehmoderator Hubertus Meyer-Burckhardt seit seiner Jugend geführt hat.

Zusammen mit persönlichen Kommentaren, Anekdoten und Einordnungen des Autors entstand eine autobiografische Collage zu den Themen wie Liebe, Verlust, Freundschaft, Nähe und Distanz.

Ein gutes Zitat öffnet eine Tür und weht Sauerstoff in das eigene Gehirn. Es animiert dazu, über das Leben nachzudenken, und darüber, ob man nicht eigentlich ein ganz anderes führen sollte.
Hubertus Meyer-Burkhardt

Bereits im Alter von 15 Jahren betrat er die Bühne des Staatstheaters Kassel. Seitdem wusste er, dass er einmal „irgendetwas mit Unterhaltung“ machen wollte, und besuchte die Hochschule für Fernsehen und Film in München. Der TV-Produzent und Gastgeber der „NDR Talk Show“ war einige Jahre im Vorstand von Axel Springer sowie von ProSiebenSat.1 Media und hatte eine Professur an der Hamburg Media School inne. Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der ZEIT, führte zusammen mit Stephan Schäfer ein großes Interview mit Meyer-Burckhardt, das die Inspiration für Meyer-Burckhardts Buch war, das „Sprache in ihrer Substanz“ zeigt. Die Zitate sind wie Inseln, um die sein Schiff des Lebens kreist. Meyer-Burkhardt war ein schlechter Schüler, der während seiner Schulzeit kein Interesse am Lernen hatte.

Die Fantasie dagegen war eine Burg, in der ich mich verschanzen konnte.
Hubertus Meyer-Burkhardt

Das Lesen verfeinerte seine Sinne und machte ihn zu einem freischwebenden Geist. Zitiert wird im Buch auch Rainer Maria Rilkes berühmter Satz: „Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.“ Für Meyer-Burkhardt steht dieser Satz im Widerspruch zur häufig verkrampften, deutschen Mentalität, die dazu erzieht, alles kontrollieren und verstehen zu müssen. Aber das Leben „ist keine mathematische Formel.“ Wer nicht fähig ist, sich fallen und loszulassen, ist nicht frei und imstande, ein gutes Leben zu führen. Das Wort „Ehrgeiz“ lehnt er für sich ab, weil darin das Wort „Geiz“ steckt.

Der Satz von Oscar Wilde hat ihn stets begleitet: „Ehrgeiz ist die letzte Zuflucht des Versagers.“ Das Zitat wird genutzt, um über seinen eigenen Werdegang zu reflektieren. Mithilfe von Wilde warnt er davor, verbissenen Ehrgeiz über die wahre Lebensqualität zu stellen. Seine innere Motivation verbindet er lieber mit Begriffen wie Neugier, Leidenschaft, Mut und Gestaltungswille. Seine Mutter gab ihm ihr Credo mit auf den Weg: „Glücklichsein ist eine Entscheidung“. Dieser Satz prägt ihn bis heute. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für das Lesen. Er suchte sich in Büchern die Lebensweisheiten und die Orientierung klügerer Menschen, da eine Vaterfigur in seiner Kindheit fehlte.

Sein leiblicher Vater war alkoholkrank und in betrunkenem Zustand häufig rabiat und unberechenbar. Als Meyer-Burckhardt zwölf Jahre alt war (für sein Alter war der Junge sehr kräftig), stellte er sich schützend vor seine Mutter und warf den Vater aus dem Haus mit den Worten: „Geh aus dem Haus, du bist nicht mehr mein Vater.“ Danach verschwand er dauerhaft aus dem Leben der Familie. Fortan wuchs Meyer-Burkhardt bei seiner alleinerziehenden Mutter – die in Kassel viel arbeiten musste, um die Familie zu ernähren - und seiner Großmutter Christel Vollbrecht (von ihm liebevoll „Osi“ genannt) auf. Sie wurde 1898 in der Lutherstadt Wittenberg geboren und wuchs dort auf. Im Zweiten Weltkrieg verlor sie durch Bombardierungen in Kassel ihre gesamte Heimat und ihr Hab und Gut, blieb aber zeitlebens voller Lebensfreude. Ihr Leitsatz prägte ihn tief: „Die Sonne scheint immer, für die Wolken kann ich nichts“. Ihr zu Ehren widmete er ihr sein gleichnamiges Buch. Sie war unkonventionell, mutig und lebensfroh. Osi rauchte gern, trank Weißwein und vermittelte ihrem Enkel Werte wie einen unerschütterlichen Optimismus, das Prinzip Eigenverantwortung und individuelle Freiheit, Großzügigkeit und Humor.

Auch schuf sich Meyer-Burkhardt „paternalen Ersatz“: Mit etwa 17 Jahren begann er, ein kleines, schwarzen Notizbuch mit roten Ecken zu führen. Die Notizen, die ihm als Orientierungshilfe dienten, umfassen Gedanken von Klassikern wie Goethe, Else Lasker-Schüler, Thomas Mann, Epikur, Oscar Wilde und Samuel Pisar. Die Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1826) von Joseph von Eichendorff nimmt hier einen besonderen Platz i ein. Meyer-Burckhardt erzählt, dass er die erste Seite der Novelle etwa 782-mal gelesen hat. Vor die Szene, in der der Müller seinen Sohn einen „faulen Sack“ nennt und ihn in die Welt hinausschickt, faszinierte ihn schon immer.

Was der Mensch doch nicht alles erfährt, wenn er sich einmal hinterm Ofen hervormacht!
Joseph von Eichendorff

Wer den Mut hat, seine alte Bequemlichkeit aufzugeben und die Welt zu erkunden, wird mit neuen Abenteuern und Erfahrungen belohnt. Später wurde Meyer-Burkhardt selbst Weltbürger: In seinem TV-Format „Meyer-Burckhardts Zeitreisen“ (das er im Sommer 2026 nach fünf Jahren an Yared Dibaba übergab) reiste er als eine Art historischer Globetrotter mit über 100 Jahre alten Baedeker-Reiseführern durch Deutschland und Europa. Er liebt er es, an Orte zu reisen, die er noch nicht kennt, um Routine zu vermeiden und nutzt dafür klassische Landkarten, Restaurantführer und Inspirationen.

 Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich – aber dann kehrt man zurück mit gebrochenen Flügeln und das Leben geht weiter, als wär man nie dabei gewesen.
Ödön von Horváth

Das Zitat aus dem Theaterstück „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horváth, das 1932 uraufgeführt wurde, zeigt zugleich, dass es in seinem Innern einen Ort gibt, an dem ich er allein ist und sich dort erneuert. Das bewusste Zurückziehen für ihn eine essenzielle Kraftquelle. Häufig zieht er sich dafür einfach allein in den Wald zurück.

Das Alleinsein ist mir heilig.
Hubertus Meyer-Burkhardt

Meyer-Burkhardt nennt sich selbst „otrovers“. Viele Menschen definieren sich durch ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Es gibt aber auch Menschen, die mittendrin sind, aber sich einem Kollektiv nicht zugehörig fühlen. Für sie prägte der New Yorker Psychiater Dr. Rami Kaminski den Begriff Otroversion. Otrovertierte ziehen oft Kraft aus der Rolle des Beobachters (nicht des Teilnehmers) und finden klare Verbindungen, anstatt sich auf eine breite soziale Anerkennung zu verlassen. Ihre Stärke ist das unabhängige Denken, das durch keine Strömung oder Institution beeinflusst sei. Sie suchen intensive Einzelbeziehungen und sind häufig überdurchschnittlich empathisch, kreativ und eigenständig.Sie sehen die Welt aus ihrer eigenen Perspektive und gestalten ihr Leben nach eigenen Wünschen, statt den Erwartungen anderer zu folgen. Sie sind „sanfte Rebellen“ und legen Wert auf ehrliche, authentische Verbindungen.

Mein Lebensziel ist es, lächelnd durchs Leben zu gehen.
Hubertus Meyer-Burkhardt

Am Ende seines Buches erwähnt er, dass er in jedes seiner Sakkos auf der Innenseite ein kleines Schildchen einsticken lässt, auf dem zwei Begriffe stehen, die er als seine zentralen Lebensanker bezeichnet: „Mut und Humor“. Gelernt hat er diese Werte von seiner Großmutter. Humor hilft vor allem dabei, sich selbst und die eigenen Probleme nicht allzu wichtig zu nehmen. Das zeigt auch dieser außergewöhnliche Buchansatz: Statt einer üblichen Autobiografie, die das Ich in den Mittelpunkt stellt, wird für all die Klugen, die das eigene Leben innerlich geprägt haben, ein Denk-Mal gesetzt.  

Das Buch:

  • Hubertus Meyer-Burckhardt: Das Buch meines Lebens haben Klügere geschrieben. 90 Zitate, die mich immer wieder begeistern. Unter Mitarbeit von Stephanie Ehrenschwendner. Heyne Verlag, München 2026.

Weiterführende Informationen:

Dr. Alexandra Hildebrandt schreibt über Wirtschaft & Management, Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Internet & Technologie

Als Publizistin, Herausgeberin, Bloggerin und Nachhaltigkeitsexpertin widme ich mich den Kernthemen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Beim Verlag SpringerGabler habe ich die CSR-Bände zu Digitalisierung, Energiewirtschaft und Sportmanagement herausgegeben sowie "Klimawandel in der Wirtschaft".

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