Elon Musk will den humanoiden Roboter Optimus am Tesla AI Day vorstellen. Wie realistisch ist der Einsatz in der Fabrik? - Tesla Bot (Bild: Handelsblatt)
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Tesla AI Day: Wie startklar wird der Tesla Bot heute sein?

Am Tesla KI-Tag will Elon Musk den Tesla Bot präsentieren. Wird der menschenähnliche Roboter beeindrucken? Wie Experten die Einsatzfähigkeit und den Markt für Humanoide beurteilen.

**Düsseldorf, San Francisco.**Der erste Auftritt von Optimus vor gut einem Jahr war peinlich. Ein Schauspieler ging im Roboterkostüm auf die Bühne, imitierte die steifen Bewegungen einer Maschine, um bald wild zur Technomusik zu tanzen. „Das war offensichtlich kein wirklicher Roboter“, stotterte Tesla-Chef Elon Musk danach. „Aber der Tesla Bot wird Wirklichkeit werden.“ Schon in einem Jahr wolle er der Welt einen Prototyp präsentieren. Am heutigen Tesla KI-Tag soll es soweit sein.

Dass der Elektroautohersteller einen menschenähnlichen Roboter entwickelt, überraschte damals alle: Analysten, Fachleute, Tesla-Fans – und Mitarbeiter. Laut einem dem Unternehmen nahestehenden Experten wusste damals die eigene Abteilung für Künstliche Intelligenz (KI) nichts vom „Tesla Bot“. Hunderte Entwickler und Ingenieure in Palo Alto hatten am autonomen Fahren gearbeitet – aber nicht an einem Humanoiden.

Das hat sich seitdem schlagartig geändert. Nach der ersten Präsentation des Optimus – benannt nach dem Roboter-Alien „Optimus Prime“ aus dem „Transformers“-Universum – schaltete Tesla zahlreiche Stellenanzeigen, um spezialisierte Ingenieure zu verpflichten. 70 von ihnen arbeiten inzwischen im Unternehmensbereich „Autopilot & Robotertechnik“.

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Tesla Bot: Elon Musk stellt Humanoid Optimus am Tesla AI Day vor

Beim heutigen KI-Tag von Tesla will Musk die erste Version des Optimus präsentieren. Der soll sich wie ein Mensch bewegen und „gefährliche, sich wiederholende und langweile Aufgaben“ in der Fabrik erledigen. Eines Tages, so sagt es der Tesla-Chef voraus, werden Roboter sämtliche Arbeiten verrichten und die Menschheit könne von „einem Grundeinkommen“ leben.

Experten sind da skeptisch. „Man kratzt sich am Kopf“, sagt Wedbush-Analyst Dan Ives, der sich sonst eher begeistert von Tesla zeigt. Für ihn ist der Roboter ein „Science-Fiction-Projekt von Musk“.

Ein gewaltiger Markt für humanoide Roboter entsteht

Aber Science-Fiction hat das Silicon Valley schon oft inspiriert. Und Tesla ist nicht das einzige Unternehmen, das an einem humanoiden Roboter arbeitet. Auch Google, Xiaomi und Boston Dynamics, das seit zwei Jahren zu Hyundai gehört, arbeiten an ähnlichen Projekten.

Es geht um einen großen Markt. Fabriken sind ohne Roboter von Herstellern wie ABB, Kuka oder Fanuc kaum noch vorstellbar. Der Branchenverband IFR beziffert allein die Zahl von Industrierobotern auf drei Millionen. „2021 war das beste Jahr in der Geschichte der Branche“, sagte IFR-Präsident Milton Guerry.

Die Maschinen haben jedoch einen gewaltigen Nachteil: Sie sind meist nur für eine besondere Aufgabe einsetzbar. Menschenähnliche Roboter sollen das ändern. Fortschritte in KI, Datenübermittlung und anderen Technologien werden nach Schätzung der Unternehmensberatung BCG den Umsatz im weltweiten Robotermarkt in zehn Jahren von 25 Milliarden Dollar 2020 auf bis zu 260 Milliarden Dollar steigen lassen.

„Professionelle Dienstleistungsroboter“ sind dabei der größte Umsatzbringer, heißt es in der BCG-Analyse. Im besten Falle könnten Optimus und Co. im Jahr 2030 einen Umsatz von bis zu 90 Milliarden Dollar einspielen. „Ich bin froh, dass sich Elon Musk sich des Themas annimmt“, sagt Sami Haddadin, Roboterexperte und Professor an der TU München.

Allerdings sind die von Tesla oder Xiaomi angestrebten Roboter unendlich komplexer und aufwendiger zu verwirklichen als Industrieroboter oder sogenannte Cobots, die in Interaktion mit dem Menschen arbeiten. Wann können wir mit serienreifen Produkten rechnen, wie sie Musk schon für dieses Jahr versprochen hat? „Das dauert mindestens fünf, wenn nicht zehn Jahre“, sagt Nikolai Ensslen, Roboterexperte und Chef von Synapticon, einem Zulieferer der Branche.

Robotik-Branche ist „wieder und wieder gescheitert“

Die Chinesen konnten Tesla darum zuletzt die Show stehlen. In Trippelschritten bewegte sich vor wenigen Wochen der 1,77 Meter große und 52 Kilogramm schwere Roboter Cyber One über die Bühne bei der Produktvorstellung in Peking und überreichte Xiaomi-Gründer Lei Jun eine Blume. „Wir haben noch viel vor“, sagte Jun. Auf Kommando führte Cyber One einige Armbewegungen aus dem Kung Fu vor.

„Wir gehen davon aus, dass menschliche Roboter Teil unseres Alltags in der Zukunft sein werden“, zeigte sich Jun überzeugt. Der Cyber One könne sich dank Sensoren in Räumen bewegen, menschliche Emotionen erkennen, Sprache verstehen und Aufgaben ausführen.

Der Roboter kann nur in Trippelschritten gehen und ist ein „Work in Progress“. - (Foto: ddp/Ferrari Press)
Der Roboter kann nur in Trippelschritten gehen und ist ein „Work in Progress“. - (Foto: ddp/Ferrari Press)

Bei allen Versprechungen: Menschenähnliche Roboter sind schwer zu bauen. „Genau an dieser Aufgabe ist die Branche wieder und wieder gescheitert“, sagte ein führender Roboterentwickler im Silicon Valley dem Handelsblatt, der seinen Namen und seine Firma nicht öffentlich nennen will. Die Präsentation von Xiaomi sei wenig überzeugend, da der Roboter noch keine wirklichen Leistungen vollbracht habe.

Ob Teslas Roboter mehr vorweisen kann als der chinesische Konkurrent, sei noch völlig unklar. „Tesla kennt sich in dem Bereich wenig aus. Unter den führenden Roboterexperten hat Tesla keinen besonders guten Ruf“, sagte der Entwickler.

Tesla Bot: Humanoide mit bis zu 50 Bewegungsachsen

Warum ist das so? Schließlich ist Tesla nach dem eigenen Verständnis „die wohl größte Roboterfirma der Welt“. So hatte es jedenfalls Musk auf dem KI-Tag vor einem Jahr betont. Die Autos seien mit ihren Sensoren, neuronalen Netzen oder Bordcomputern „semifühlende Roboter auf Rädern“. Diese Fähigkeiten in „eine humanoide Form zu gießen“ sei da nur folgerichtig.

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Allerdings ist das keineswegs so einfach, wie es sich anhört. Ohne Frage beschäftigt Tesla hochtalentierte KI-Experten, die mit den großen Datenmengen der Fahrzeuge und dem hauseigenen Supercomputer Dojo die Entwicklung und Fähigkeiten von neuronalen Netzen vorantreiben.

Aber: Ein Auto funktioniert auf der elektromechanischen Ebene grundsätzlich so wie ein Roboter. Der ist jedoch mit 24 bis 50 Bewegungsachsen viel komplexer aufgebaut. Für jede Achse braucht es viele Sensoren und Motoren. Laut Tesla soll der Optimus über 40 Stellmotoren verfügen, davon jeweils ein Dutzend für die Arme, Hände und Beine bei einem Gesamtgewicht von maximal 60 Kilogramm.

40 Stellmotoren, leichtes Material: Der menschenähnliche Roboter soll weniger als 60 Kilogramm wiegen - Innenansicht des Tesla Optimus
40 Stellmotoren, leichtes Material: Der menschenähnliche Roboter soll weniger als 60 Kilogramm wiegen - Innenansicht des Tesla Optimus

Dagegen ist der Elektromotor eines Autos viel simpler aufgebaut, verfügt nur über wenige bewegliche Teile. Dadurch vermindern sich der Verschleiß und die Wartung im Vergleich zu Verbrennungsmotoren, betonen Tesla und andere Elektroautohersteller gerne.

Abgesehen von der höheren Komplexität kommt die Kinematik dazu: Der Roboter muss sich verformen können. Der Arm muss beispielsweise sieben Freiheitsgrade haben, um dem eines Menschen zu ähneln. „Die Flexibilität erreicht eine ganz andere Dimension“, sagt Roboterexperte und Synapticon-Chef Ensslen.

„Robotik eignet sich gut dazu, anscheinende Fortschritte zu zeigen“

Das Hauptproblem aber ist die Steuerung des Roboters. Er muss funktional zuverlässig sein, höchste Sicherheitsansprüche erfüllen und schwierige Aufgaben hinbekommen – sei es, einen Geschirrspüler auszuräumen oder ein Getriebe in ein Auto zu schrauben.

Ohne Frage: Im vergangenen Jahrzehnt hat die Technologie enorme Fortschritte gemacht. Ein Roboter kann sich mithilfe von Sensoren und KI-Systemen gut im Raum bewegen, Türen aufmachen oder andere einfache Aufgaben erfüllen. Allerdings sollte man sich nicht von Präsentationen blenden lassen: „Robotik eignet sich gut dazu, anscheinende Fortschritte zu zeigen“, warnt Ensslen. Laien würden bei den Videos von Xiaomi oder Boston Dynamics glauben, der Terminator stünde vor der Tür.

Doch ist die KI weit davon entfernt, menschenähnliches Verhalten imitieren zu können. So sind Teslas Fahrzeuge zwar mit einem sogenannten Autopiloten und mit „Full Self-Driving“ ausgerüstet, dem Fahrassistenten, der „vollständiges Selbstfahren“ verspricht. Doch davon sind die Systeme in der Realität weit entfernt.

Das US-Transportministerium stufte Teslas „Full Self-Driving“ jüngst als autonomes Fahren der Stufe zwei ein. Zum Vergleich: In Deutschland fährt Mercedes bereits auf Stufe drei. Höchstes Maß der Dinge wäre Level 5, das vollkommen automatisierte Fahren.

Atlas von Boston Dynamics mit Verkaufspreis von einer Million Dollar

Wie schwer dagegen das Vorhaben ist, einen humanoiden Roboter zu bauen, zeigt ein Blick in die Geschichte. Der japanische Industriekonzern Honda entwickelte seit den 1980er-Jahren menschenähnliche Roboter. 2006 präsentierte er den Asimo, benannt nach dem berühmten Science-Fiction-Autor Issac Asimov. In seiner letzten Entwicklungsstufe konnte er Fußball spielen, Flaschen aufschrauben oder tanzen.

Asimos Hände waren so weit entwickelt, dass er Zeichensprache nutzen konnte. Aber Honda gelang es nicht, eine kommerziell erfolgreiche Anwendung zu finden. Vor wenigen Monate wurde er offiziell eingestellt.

Den Roboter von Honda grüßte die Bundeskanzlerin 2015 bei einer Japan-Reise. - (Foto: dpa)
Den Roboter von Honda grüßte die Bundeskanzlerin 2015 bei einer Japan-Reise. - (Foto: dpa)

Der als weltweit führend geltende menschenähnliche Roboter stammt vom US-Unternehmen Boston Dynamics, heißt Atlas und beeindruckt seit Jahren mit besonderen Bewegungen. Er vollzieht Rückwärtssaltos und absolviert Hindernisparcours. Darüber hinaus ahmt er aufwendige Tanzchoreografien nach – und kann damit deutlich mehr als Asimo.

Doch wie beim Honda-Roboter fehlt eine Anwendung für Atlas. Der mit Millionensummen entwickelte Roboter wird bislang fast ausschließlich für Forschungszwecke eingesetzt.

„Einen Prototyp zu bauen ist einfach“, sagt Experte Ensslen. „Aber einen Roboter erschwinglich und sicher zu bauen, ist eine ganz andere Sache.“ Den Verkaufspreis des Atlas von Boston Dynamics schätzt er auf rund eine Million Dollar. Das sei viel zu viel für den Massemarkt.

Stretch von Boston Dynamics soll in Lagerhäusern arbeiten

Boston Dynamics sucht seit Firmengründung nach sinnvollen Anwendungen für eine breite Kundschaft. In einem Interview mit dem US-Fernsehsender CBS-News kündigte Firmengründer Robert Playter an, sein Unternehmen in eine neue Richtung steuern zu wollen.

Das Ergebnis ist Stretch, ein einarmiger Roboter, der auf die Arbeit in Lagerhäusern optimiert ist. Kaum etwas erinnert an die menschliche Form von Atlas. Stretch wirkt wie einer der üblichen Industrieroboter. Playter sagte jedoch: „Diese Generation von Robotern wird anders sein. Sie werden mitten unter uns arbeiten. Sie werden neben uns arbeiten.“ Zu den ersten Kunden zählt DHL.

Everyday Robots: Subfirma von Google für Serviceroboter

Ein Grund für den pragmatischen Kurs dürften auch die etlichen Eigentümerwechsel sein, die Boston Dynamics durchmachte. 2013 wurde die Firma von Google übernommen. Dreieinhalb Jahre später wurde das Unternehmen schon an den japanischen Investor Softbank weiterverkauft. Seit Dezember 2020 hält der Autobauer Hyundai die Mehrheit am Unternehmen.

Der Internetkonzern Google hat sich mit dem Verkauf von Boston Dynamics nicht komplett von seinen Ambitionen in dem Bereich verabschiedet. Unter dem Namen „Everyday Robots“ haben Google-Entwickler eine eigene Firma gegründet, die Serviceroboter produziert.

Was diese leisten, stellte das Team kürzlich zusammen mit Google-Entwicklern vor. Die Geräte, die ein bisschen wie ein fahrender Staubsauger mit einem Arm aussehen, konnten gepaart mit verbesserten Spracherkennungstechniken von Google komplexe Aufgaben ausführen.

Einer der Entwickler wies den Roboter an, einen Burger zu belegen. Der Roboter war in der Lage, das Kommando in eine Reihe von Aktionen zu übersetzen: Das Vorbereiten des Brotes, das Belegen mit Belag und schließlich das Zusammensetzen zum Burger. Für den Test verwendeten die Entwickler aber kein echtes Essen, sondern Plastikbestandteile, die an eine Kinderküche erinnerten.

Das alles ist interessant, aber weit von einem erschwinglichen, menschenähnlichen Roboter entfernt. Jedoch bei Tech-Visionär Musk sei vieles möglich, sagt ein Entwickler aus dem Silicon Valley. Er sei skeptisch. „Trotzdem will ich nicht ausschließen, dass Musk im Geheimen etwas Großes entwickelt hat.“

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