Steuerschlüssel im ERP-System: Warum steuerliche Systemlogik regelmäßig geprüft werden sollte
Das Niedersächsische Finanzgericht hat entschieden: Die Verwendung eines unzutreffenden Steuerschlüssels in einem ERP-System stellt keinen Rechenfehler im Sinne des § 173a AO dar. Wenn das System den Betrag aufgrund des gewählten Schlüssels korrekt berechnet, liegt kein mechanischer Rechenfehler vor, sondern ein Irrtum bei der Auswahl der steuerlichen Methode.
Für Unternehmen ist das besonders relevan...
Vorsteuer-Vergütungsverfahren ab 2026: Digitale Nachweise werden verpflichtend
Für nicht im Gemeinschaftsgebiet ansässige Unternehmer ändern sich die Anforderungen im Vorsteuer-Vergütungsverfahren. Nach dem BMF-Schreiben vom 02.06.2026 sind Rechnungen und Einfuhrbelege für Anträge nach dem 31.12.2025 grundsätzlich elektronisch einzureichen.
Für Unternehmen bedeutet das: Die Belegsammlung und Antragstellung müssen digital, strukturiert und prüfungssicher vorbereitet werden.
Wichtige Praxispunk...
Zinslose Kaufpreisraten beim privaten Immobilienverkauf: BFH verneint fiktive Kapitalerträge
Der Bundesfinanzhof hat seine bisherige Rechtsprechung geändert: Werden beim privaten Immobilienverkauf zinslose Kaufpreisraten vereinbart, entstehen grundsätzlich keine steuerpflichtigen Kapitalerträge, wenn der Vertrag eindeutig regelt, dass jede Rate vollständig auf den Kaufpreis entfällt.
Das ist insbesondere für Vermögensübertragungen innerhalb der Familie relevant – etwa wenn Eltern eine Immobili...
Innergemeinschaftliche Lieferung ohne Gelangensbestätigung – BFH stärkt Vertrauensschutz
Der Bundesfinanzhof hat entschieden: Der Vertrauensschutz nach § 6a Abs. 4 UStG setzt nicht zwingend voraus, dass eine Gelangensbestätigung vorliegt.
Für Unternehmen ist das eine wichtige Klarstellung. Wenn sich später herausstellt, dass die Voraussetzungen einer umsatzsteuerfreien innergemeinschaftlichen Lieferung tatsächlich nicht vorlagen, kann die Lieferung dennoch steuerfrei bleiben – sofern die Steue...
Umsatzsteuerpflichtige – neue Regeln beim Vorsteuerabzug (BMF 2026)
Für umsatzsteuerpflichtige Organisationen mit gemischten Tätigkeiten (unternehmerisch + nichtwirtschaftlich i. e. S.) wird der Vorsteuerprozess durch das aktuelle BMF-Schreiben 2026 deutlich praxisrelevanter.
Kernaussage für die Umsetzung:
Bei Nutzungsänderungen zwischen unternehmerischem Bereich und nichtwirtschaftlicher Tätigkeit i. e. S. steht § 15a UStG (Vorsteuerberichtigung) im Vordergrund – nicht automatisch eine unent...
Einkommensteuerpflichtige: Welche finanziellen Auswirkungen hätte der Wegfall des Splittingtarifs?
In der steuerpolitischen Diskussion taucht regelmäßig die Forderung auf, den Splittingtarif (Ehegattensplitting) bei der Einkommensteuer zu streichen oder zumindest umzubauen. Häufig wird das mit dem Vorschlag verknüpft, die Steuerklassenkombination III/V abzuschaffen oder durch andere Modelle zu ersetzen.
Für Einkommensteuerpflichtige ist dabei entscheidend, die Mechanik und die Wirkung des Split...
Die Gewerbesteueranrechnung auf die Einkommensteuer nach § 35 EStG ist ein wichtiger Entlastungsmechanismus für Einzelunternehmer und Mitunternehmer – wird in der Praxis jedoch häufig falsch eingeschätzt, insbesondere bei Personengesellschaften.
Wesentliche Punkte für Unternehmen:
- Die Anrechnung erfolgt pauschal über das 4-Fache des Gewerbesteuermessbetrags.
- Bei Personengesellschaften richtet sich der Anteil ausschließlich nach dem allgemeinen Gewinnverteilungsschlüssel – Sondervergütungen...
Kein automatischer Arbeitnehmer-Anscheinsbeweis beim Gesellschafter-Geschäftsführer:
Der BFH (Az. I B 17/24) betont, dass die arbeitsrechtlich geprägte Anscheinsbeweis-Rechtsprechung zur privaten Dienstwagennutzung nicht ohne Weiteres auf Gesellschafter-Geschäftsführer übertragbar ist.
Kernaussagen für die Praxis:
- Der bloße Zugriff auf ein betriebliches Fahrzeug ersetzt nicht den Nachweis einer tatsächlichen Privatnutzung.
- Für einen lohnsteuerlich relevanten Vorteil braucht es konkrete Fes...
Wann müssen Geschenke dem Finanzamt gemeldet werden?
§ 30 ErbStG sieht grundsätzlich vor, dass ein schenkungsteuerlich relevanter Erwerb innerhalb von 3 Monaten angezeigt werden muss – durch den Erwerber und ggf. auch durch den Schenker.
In der Praxis wird nicht jedes Gelegenheitsgeschenk gemeldet. Relevant wird es typischerweise bei:
- größeren Geldgeschenken
- hochwertigen Gegenständen (z. B. Schmuck, Edelmetalle, Münzen, Sammlungen)
- größeren Übertragungen innerhalb der Familie (z. B. Fah...
Verlustverrechnung Kapitalvermögen: In der Praxis werden hier häufig Steuerpotenziale verschenkt – nicht wegen fehlender Regeln, sondern wegen falscher Zuordnung und fehlender Übersicht.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick:
- Aktienverluste sind strikt: Verrechnung nur mit Aktiengewinnen
- Bei Termingeschäften und Forderungsausfällen/wertlosen Anlagen kommt es auf die korrekte Einordnung und den Zeitpunkt der endgültigen Verlustrealisierung an
- Wer mehrere Depots/Broker nutzt, sollte das T...