Wenn Diversity bei der Generation 50+ fehlt. Oder: Altersdiskriminierung im Arbeitsmarkt – eine Warnung und ein Appell
Aus gegebenem Anlass ändern wir unser Programm … ach was, wir ergänzen es um ein Thema, welches aktueller nicht sein könnte. Altersdiskriminierung im Job. Mehr als jeder vierte Berufstätige über 50 wurde schon einmal aufgrund seines Alters diskriminiert.
Die jüngste Diversity-Studie 2024 von XING hat ein alarmierendes Problem offengelegt: Mehr als jeder vierte Berufstätige über 50 hat schon einmal Altersdiskriminierung am Arbeitsplatz erlebt, meist verursacht durch die Führungskräfte. Trotz der Tatsache, dass die älteren Jahrgänge weiterhin einen erheblichen Teil der Leistungsträger im Arbeitsmarkt stellen, werden ihre Bedürfnisse oft zugunsten der jüngeren Generationen vernachlässigt.
Thomas Kindler, Managing Director von XING, kommentiert dazu: „In einem Land, in dem viele Unternehmen Diversity-Richtlinien zu Religion, Geschlecht oder Herkunft haben, wird über Altersdiskriminierung in der Arbeitswelt noch viel zu wenig gesprochen – und vor allem wird zu wenig dagegen vorgegangen. Dass in der Mehrheit der Fälle die Führungskraft diejenige ist, von der die Diskriminierung ausging, ist alarmierend. Statt bewährte Arbeitskräfte zu unterstützen und ihre Erfahrung wertzuschätzen, werden Menschen schrittweise auf das berufliche Abstellgleis geschoben.“
Wie gehe ich als Betroffener mit diesem Thema um? Gern gebe ich Ihnen drei Beispiele, die sich in der Praxis bewährt haben.
Eine offene Kommunikation
Es ist essenziell, dass betroffene Arbeitnehmer das Gespräch mit ihren Vorgesetzten suchen. Durch das direkte Ansprechen der Diskriminierung können Missverständnisse aufgeklärt und Bewusstsein geschaffen werden. Eine klare, aber respektvolle Kommunikation ist der erste Schritt zur Lösung des Problems.
Rechtliche Unterstützung
Wer sich diskriminiert fühlt, sollte sich über seine rechtlichen Möglichkeiten informieren. In vielen Ländern gibt es Gesetze gegen Altersdiskriminierung, die Betroffenen Schutz bieten. Der Gang zu einem Anwalt oder die Konsultation von Gewerkschaften kann helfen, die eigenen Rechte zu verteidigen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.
Bitte verstehen Sie mich hier nicht falsch, es geht nicht darum, Ihr Unternehmen zu verklagen, das könnte unangenehme Konsequenzen nach sich ziehen, bis hin zum Jobverlust. Aber Sie haben jederzeit die Möglichkeit, sich beraten zu lassen, bevor Sie selbst aktiv werden.
Netzwerken und Unterstützung suchen
Der Austausch mit Gleichgesinnten und das Einholen von Unterstützung in Netzwerken kann helfen, besser mit der Situation umzugehen. Gruppen und Organisationen, die sich für die Rechte älterer Arbeitnehmer einsetzen, bieten oft wertvolle Ressourcen und Unterstützung an. Auch hier steht der Austausch im Vordergrund, um Ihnen Sicherheit und Vertrauen zurückzugeben.
Aber auch den Unternehmen und Führungskräften in den Unternehmen möchte ich drei wertvolle und in der Praxis bewährte Empfehlungen mit auf den Weg geben. Auch wenn Sie nicht diskriminieren, wovon ich selbstverständlich ausgehe.
Sensibilisierung und Schulung
Führungskräfte sollten regelmäßig Schulungen zu Diversity und Inklusion absolvieren. Diese Schulungen sollten die Sensibilisierung für Altersdiskriminierung beinhalten und den Vorgesetzten praktische Werkzeuge an die Hand geben, um eine inklusive Arbeitsumgebung zu fördern. Einstellungen und die damit verbundene, wertschätzende und vor allem respektvolle Kommunikation sind hierbei essenziell.
Förderung eines altersfreundlichen Arbeitsumfelds
Unternehmen können gezielt Maßnahmen ergreifen, um ein altersfreundliches Arbeitsumfeld zu schaffen. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen und gezielte Gesundheitsförderungsprogramme, die auf die Bedürfnisse älterer Arbeitnehmer zugeschnitten sind. Kommen Sie Ihren erfahrenen Kolleg:innen entgegen, sprechen Sie miteinander und finden gemeinsam Lösungen.
Einen Rat möchte ich allen Unternehmen und deren Führungskräfte mit auf den Weg geben. Wenn Sie etwas verändern, optimieren oder neu erschaffen wollen, dann nehmen Sie die Generationen mit ins Boot. Entscheiden Sie nicht über die Köpfe hinweg, die das Unternehmen geprägt haben oder es noch prägen werden. Vielen Dank.
Implementierung von Mentoring-Programmen
Ältere Arbeitnehmer verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz, der für die gesamte Organisation wertvoll ist. Mentoring-Programme, bei denen ältere Mitarbeiter ihr Wissen an jüngere weitergeben, können nicht nur zur persönlichen und beruflichen Entwicklung beitragen, sondern auch das Gefühl der Wertschätzung und Zugehörigkeit stärken.
Und bitte verschonen Sie mich mit den Märchen, dass alte und junge Menschen nicht zusammenarbeiten können. Sie können es unter einer starken, gerechten und unparteiischen Führung. Wenn Ihnen diese Führung fehlt, kommen Sie jederzeit auf mich zu, ich unterstütze Sie gern. Und das ist ernst gemeint.
Erlauben Sie mir, dass ich ein Fazit ziehe
Die Ergebnisse der XING-Studie sind ein Weckruf für Unternehmen und Führungskräfte. Altersdiskriminierung darf nicht länger ignoriert werden. Es ist an der Zeit, Maßnahmen zu ergreifen, um die wertvollen Beiträge älterer Mitarbeiter anzuerkennen und zu fördern. Nur so kann ein wirklich inklusives Arbeitsumfeld geschaffen werden, in dem die Erfahrung und das Wissen aller Generationen gleichermaßen geschätzt und aktiv genutzt werden.
Denn eines sollten Unternehmen und deren Entscheider nicht vergessen: „Noch sind die geburtenstarken älteren Jahrgänge zahlenmäßig die Leistungsträger im Arbeitsmarkt.“
Ich bedanke mich und wünsche Ihnen allen gute Entscheidungen.
Bitte bleiben Sie gesund.
Herzlichst
Michael H. Hahl

