Der eine steckt tief in den Fachfragen eines Anwendungsgebiets, der andere ist erfahrener Programmierer. Beide zusammenzubringen, war schon immer ein Problem. Low-Code bietet dafür eine neue Lösung: Die Vereinigung in einer Person. Low-Code und No-Code sind derzeit in aller Munde: Sie werden als Ausweg aus dem Programmierer-Mangel oder als Mittel gehandelt, aus Kennern ihres Fachs Softwareentwickler zu machen. Andererseits haftet ihnen auch ein wenig der Zweifel an, ob man mit Herumklicken wirklich zu hochwertiger Software kommen kann. Über Sinn und Zweck der Technologie sprach das Linux-Magazin mit einem ihrer Pioniere, Karsten Noack. Linux-Magazin: Wozu brauchen wir Low-Code? Karsten Noack: Low-Code steht für einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Softwareentwicklung. Es geht darum, durch gänzlich andere Methoden und Tools maßgeschneiderte Softwarelösungen erheblich effizienter, kostengünstiger und flexibler entwickeln zu können. Das ermöglicht Unternehmen und Verwaltungen, die Digitalisierung sämtlicher Geschäftsprozesse voranzutreiben. Außerdem ist Low-Code eine Antwort auf den Fachkräftemangel, indem die verfügbaren Softwareentwickler in der gleichen Zeit mehr schaffen können und außerdem auch weitere Personen mit in die Softwareentwicklung einbezogen werden können. Unser Gesprächspartner Karsten Noack gilt als einer der Pioniere der Low-Code-Technologie und hat bereits Anfang der Neunzigerjahre neuartige, innovative Methoden und Verfahrensweisen zur programmierfreien Softwareentwicklung erarbeitet und 1998 mit SCOPELAND Version 1.0 die wahrscheinlich weltweit erste Low-Code- Plattform auf den Markt gebracht. Heute ist er Geschäftsführer der Scopeland Technology, die mit SCOPELAND Version 7 im Public-Sektor, unter anderem bei Bundes- und Landesbehörden, als Low-Code-Plattformanbieter und als Lösungsanbieter von SCOPELAND-basierten Anwendungslösungen sehr erfolgreich ist. Karsten Noack ist außerdem Mitglied im Hauptvorstand des BITKOM und Forumsprecher des SIBB, dem Verband der IT-Industrie Berlin-Brandenburg. Zugleich fungiert Noack als Vorstandsvorsitzender der Low-Code Association e.V., dem Verband der führenden in Deutschland aktiven Low-Code Anbieter. LM: Manche halten Low Code für eine semi-professionelle Spielerei, die sich kaum auf ernsthafte Probleme anwenden lässt. Wie weit kommen wir damit wirklich? Wo brauchen wir nach wie vor klassische Softwareentwicklung? KN: Low-Code ist längst Realität, und das nicht nur für kleine und einfache Anwendungsfälle, sondern zunehmend auch für unternehmenskritische Kernanwendungen. Selbst für Großprojekte aller Art entwickelt sich Low-Code zur bevorzugten Methode. LM: Ist Low Code also das Allheilmittel – oder gibt es doch auch Grenzen der Anwendung? Und ist nicht die Low-Code-Plattform selbst, die ja irgendwann einmal ohne Low Code entwickelt worden sein muss, ein Hinweis auf eine Beschränkung der Anwendbarkeit? KN: Natürlich ist Low-Code kein Allheilmittel. Die Grenzen liegen in den einzelnen Low-Code-Plattformen selbst, die in der Regel auf einen bestimmten Zielmarkt oder eine Klasse von Aufgabenstellungen zugeschnitten sind. Und weil niemand alle möglichen Herausforderungen vorhersehen kann, weil es immer mal Anforderungen gibt, die eine bestimmte Plattform nicht abdeckt, sieht das Low-Code-Konzept explizit die Möglichkeit vor, dass man all das, was mit den schnellen und einfachen Konfigurationsmöglichkeiten nicht abdeckbar ist, nach Bedarf durch eingefügte handprogrammierte Skripte oder Makros komplettiert. Wenn man zum Beispiel 98 Prozent der benötigten Funktionalität einfach zusammenklicken kann, fallen die zwei Prozent die noch programmiert werden müssen, aus wirtschaftlicher Sicht kaum ins Gewicht. Die Grenze zwischen dem, was Low-Code kann und was nicht, ist fließend. Die Low-Code-Plattformen sind in der Tat überwiegendwww.linux-magazin.de